Der große Freelancer Vergleich: USA vs. Deutschland

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Freelancing ist weltweit Thema. Vor allem in den USA boomt die Selbstständigkeit seit einigen Jahren. Mit welchen Herausforderungen die amerikanischen Kollegen zu kämpfen haben, was sie verdienen und welche Generation sich dort am ehesten selbstständig macht, lesen Sie in diesem Beitrag. 


Inhalt des Artikels:

  1. Aktuelle Situation & Prognose
  2. Einkommen & Arbeitszeit
  3. Demografie
  4. Gründe & Herausforderungen
  5. Fazit

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen amerikanischen und deutschen Freelancern festzumachen, gestaltet sich gar nicht so leicht: Viele Freelancer in den USA sind für Plattformen wie TaskRabbit, Uber und Deliveroo tätig und arbeiten oftmals neben ihrem Fulltime-Job in Teilzeit, um ihr Einkommen aufzubessern.

Diese Freelancer machen laut der Studie “Freelancing in America” von Upwork & Freelancers Union circa 25% der der amerikanischen Freelancer aus. Als reine “Part-Time” Freelancer beschreiben sich insgesamt 44% der Befragten.[1] Jene Teilzeit-Freelancer machen die Ergebnisse der “Freelancing in America”-Studie mit aus, die in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Edelman Intelligence NY durchgeführt wurde.

Hinweis: Neben den 44% der Part-Time Freelancer arbeiten 28% als reine Full-Time Freelancer und 25% der Befragten sind Full-Time Arbeitnehmer, die ihr Einkommen durch Freelance-Aufträge aufbessern.

Dahingegen wurden im Rahmen des Freelancer-Kompass Freelancer aus den sechs Bereichen Beratung und Management, Entwicklung, IT-Infrastruktur, SAP, Ingenieurwesen und Grafik, Content, Medien befragt. So ist es, durch die hohe Anzahl an Teilzeit-Freelancern in den Staaten, nicht verwunderlich, dass deutsche Freiberufler im Schnitt 45 Stunden pro Woche arbeiten[2], während US-Freelancer auf circa 37 Wochenstunden kommen.[1]

Aktuelle Situation und Prognose

Allein in den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der amerikanischen Freiberufler um 5 Millionen erhöht. Damit sind es aktuell 35% der arbeitenden Bevölkerung. Dieser Boom ist unter anderem der Digitalisierung und der damit einhergehenden Vernetzung zuzuschreiben, die es ermöglicht per App oder Mausklick an potentielle Kunden heranzutreten und an Aufträge zu kommen. Die Studie der amerikanischen Freelancer-Netzwerke Upwork und Freelancers Union bestätigt diese These: 77% der Befragten Freelancer gaben an, dass technische Möglichkeiten sie enorm dabei unterstützen, Projekte zu finden. Die „Freelancing in America“ – Studie von 2017 prognostiziert des Weiteren, dass die Mehrheit der US-Amerikaner 2027 freiberuflich arbeiten wird.[1]

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Auch der deutsche Markt kann einen Anstieg der Selbstständigen in freien Berufen verzeichnen: Das Institut für freie Berufe gibt an, dass 2019 1,4 Millionen Menschen, also 3,4% der Erwerbstätigen, freiberuflich tätig waren, wovon 100.000 Freelancer der IT-Branche zuzuschreiben sind. Noch vor 10 Jahren waren rund 1.053.000 Deutsche freiberuflich tätig, das bedeutet einen Anstieg von circa 36 Prozent.

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Anhand der vorhandenen Zahlen der Studien des Instituts für Freie Berufe lässt sich auch eine Zahl der Freelancer in Deutschland prognostizieren – im Jahr 2030 könnte es 2,03 Millionen Freelancer geben. Faktoren wie die Digitalisierung, die weiter fortschreiten wird, spielen dem Trend des Freelancing zusätzlich in die Karten. Dazu kommt, dass sich laut einer Studie des Marktforschungsinstituts forsa jeder Zweite zwischen 18 und 29 Jahren das Freiberufler-Dasein durchaus vorstellen kann.[3]

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Einkommen und Arbeitszeiteinteilung

Das Einkommen eines Freelancers hängt grundsätzlich von der Branche, den Skills und der Erfahrung ab. In den USA liegt das Jahreseinkommen eines freiberufliche arbeitenden Softwareentwicklers umgerechnet bei circa 85.700€ netto pro Jahr.[4]

Wie errechnet sich dieser Wert?

Mittelwert von 70$ / Stunde * 1790 Stunden im Jahr = 143.200$ brutto

143.200$ * 0,344 (Steuersatz für eine ledige Person) = 93.900$ netto

93.900$ in Euro = 85.700€

Damit kommt das netto Jahresgehalt dem Durchschnitts-Jahresgehalt deutscher Freelancer nahe. Dieser liegt laut Freelancer-Kompass bei rund 82.800€. Grundsätzlich ist der Stundensatz der Freelancer in den USA generell niedriger im Vergleich, jedoch können amerikanische Freelancer deutlich mehr Stunden abrechnen. So kommen trotz unterschiedlicher Stundensätze ähnliche Jahreseinkommen zustande.

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Projekte, Buchhaltung und Akquise – Dinge, die jeden Freelancer betreffen: In den Umfragen gaben deutsche Freelancer an, 71% der Zeit, in der sie arbeiten, mit Projektarbeit zu verbringen. Während die Buchhaltung und Bürokram mit 13% der Zeit am wenigsten Zeit einnimmt, wenden Freelancer 16% ihrer Zeit für Akquise und Weiterbildung auf.[2] Die Amerikaner hingegen wenden 53% ihrer Arbeitszeit für Projekte auf, 25% für Akquise und Weiterbildung und 22% für Buchhaltung und Bürotätigkeiten.[1] 

Demografie

In Deutschland ist Freelancing weiterhin eine Männerdomäne. Nur knapp 11% sind weiblich.[2] In Amerika ist das Geschlechterverhältnis deutlich angepasster: 59% der amerikanischen Freelancer sind männlichen Geschlechts, während 40% dem weiblichen Geschlecht zuzuordnen sind.[1]

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Zwischen 30 und 58 Jahre alt sind 83% der deutschen Freelancer. Damit repräsentieren vor allem die Baby-Boomer und die Generation X, den deutschen Freelancer-Durchschnitt. Der allgemeine Altersdurchschnitt liegt damit bei 47 Jahren.  Nur 4,7% der unter 30-Jährigen arbeiten freiberuflich, was daran liegt, dass die meisten Freelancer vor ihrer Selbstständigkeit ein Studium absolvieren und einige Jahre an Arbeitserfahrung sammeln.[2]

Der durchschnittliche Freelancer in den USA ist 40 Jahre alt, was zeigt, dass in der Generation der Millenials in Amerika deutlich mehr Menschen freiberuflich tätig sind. Außerdem hebt die “Freelancing in America”-Studie hervor, dass immer mehr junger US-Amerikaner mit dem Freelancing liebäugeln. Jeder zweite 18-22 Jährige hat schon mal freiberuflich gearbeitet und circa 46% der 18-39 Jährigen können sich vorstellen, dauerhaft selbstständig zu arbeiten. Dagegen reizt die Selbstständigkeit die 40-60 Jährigen lediglich zu 35%.[2]

Freelancer qualifizieren sich viel eher durch Erfahrung, als durch einen akademischen Titel. Dennoch kann ein Studium richtungsweisend und hilfreich sein: Im Vergleich ist zu erkennen, dass deutsche Freelancer viel eher einen akademischen Abschluss haben, nämlich 75%, als die amerikanischen mit 40%.[1][2]

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Gründe fürs Freelancer-Dasein und Herausforderungen

Die persönlichen Beweggründe für den Schritt in die Selbstständigkeit sind in Deutschland, als auch in den USA ähnlich. Die Amerikaner geben vor allem Flexibilität als Grund an, während die Top drei Gründe der Deutschen Unabhängigkeit, Selbstständigkeit und das “Der-eigene-Chef-Sein” sind.[1][2]

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Hürden hat wohl jeder Freelancer zu überwinden. Als besonders herausfordernd empfinden die amerikanischen Freelancer fair bezahlt zu werden und vom Einkommen genug für Notfälle und das Alter zurücklegen zu können. Deutschen Freelancern fällt vor allem die Projektakquise und Berufliches von Privatem trennen zu können schwer.[1][2]

Zurück in die Festanstellung? Auf gar keinen Fall! In den USA gaben 51% der Befragten an, dass sie für kein Geld der Welt mehr ins Angestelltenverhältnis wechseln wollen. In Deutschland wollen 77% sich das Freelancer-Dasein bewahren, während 21% wieder in die Festanstellung wechseln würden, wenn das Gehalt passt.[1][2]

Fazit

Zwar unterscheiden sich die Freelancer aus Deutschland und den USA deutlich, was den Stundensatz oder das Alter betrifft. Was jedoch die Gründe für das Freelancer Dasein und Zeiteinteilung angeht, sind sich die Freelancer beider Nationen recht einig. Aufgrund der “On-Demand-Ökonomie” steigt die Nachfrage für Freelancer sowohl in den USA, als auch in Deutschland, wobei wiederum Marktplätze wie freelancermap eine große Rolle spielen. Sie ermöglichen direkten Kontakt zum Kunden und bieten somit eine erhebliche Unterstützung in Sachen Akquise und Netzwerken, was für beide Nationen mit die größte Herausforderung am Freelancer-Dasein darstellt. 

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Einzelnachweise

  1. Amerikanische Freelancer Studie
  2. Freelancer-Kompass 2019
  3. Artikel bzgl. der forsa-Studie
  4. Blogpost eines amerikanischen Freelancer-Software-Blogs

Über den Autor

Elena Pruchniewski

Elena Pruchniewski studiert Technikjournalismus und PR an der TH in Nürnberg und ist als Werkstudentin im Bereich Online-Marketing tätig. Damit ist sie seit April 2019 ein Teil des freelancermap-Teams.

Von Elena Pruchniewski

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