IT Haftpflichtversicherung für Freelancer

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Ob das Projekt in Verzug gerät, sich ein Programmierfehler einschleicht oder Missverständnisse bei der Aufgabeninterpretation auftreten – Fehler sind menschlich und können demnach auch bei größter Sorgfalt passieren. Wenn der Auftraggeber dann Schadensersatz fordert, liegt dieser nicht selten im sechsstelligen Bereich – glücklicherweise bieten spezielle Haftpflichtversicherungen umfassenden Schutz. 

Warum benötigen IT-Freelancer eine IT Haftpflichtversicherung?

Leistungsverzug, vertragliche Haftung und offene Deckung? Der Versicherungsjargon macht es Freelancern nicht leichter, sich für den richtigen Versicherungsschutz zu entscheiden. Dennoch ist die Entscheidung für solch eine Versicherung wichtig, denn:

  • Die normale Haftpflicht deckt in der Regel nur Sach- und Personenschäden ab, nicht aber Vermögensschäden.
  • Branchenspezifische Risiken steigen, da die IT-Abhängigkeit in allen Lebensbereichen in den letzten Jahren massiv zugenommen hat.
  • Auftraggeber wollen sich durch Versicherungsnachweise absichern und fordern in 82% der Fälle sogar einen Nachweis bei Vertragsabschluss.
  • Schadensersatzforderungen übersteigen meist das gesamte Privatvermögen und können Freiberufler in die Insolvenz treiben.

Welche Funktionen erfüllt die Versicherung?

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein IT-Dienstleister mit dem Schwerpunkt auf Virenschutz übernimmt im Auftrag eines Kunden aus dem produzierenden Gewerbe ein Software-Update. Doch nach der Installation bricht das komplette IT-System des Auftraggebers zusammen. Schadensersatzforderung: 100.000 Euro. Die dafür genannten Gründe sind die Abstürze von mehr als 200 Computern, langsames Laden der Programme und damit einhergehend erhöhter Personal-und Stundenaufwand, Produktionsausfall, sowie der Ausfall bzw. die Verspätung von Lieferterminen.

Eine gute Haftpflichtversicherung erfüllt vorrangig drei Hauptfunktionen, die in diesem Beispiel auch angewendet werden können:

Funktionen einer IT Haftplficht
Funktionen einer IT Haftplfichtversicherung

„Egal, ob berechtigt oder nicht – muss sich der IT-Experte außergerichtlich oder gerichtlich mit dem Anspruch auseinandersetzen. Dazu braucht es aufgrund der Komplexität in der IT meist teure Gutachten, Sachverständige und Fachanwälte“ erklärt Ralph Günther – Geschäftsführer der exali GmbH, die auf IT-Haftpflichtversicherungen spezialisiert ist.

Sobald die Forderung eintrifft, wird von einem Gutachter oder Sachverständigen geprüft, ob und in welcher Höhe eine Verpflichtung zum Schadensersatz überhaupt besteht. Je nachdem wird dann, bei begründetem Anspruch, die vereinbarte Versicherungssumme abzüglich der Selbstbeteiligung gezahlt. Sollte jedoch der Anspruch auf Schadensersatz unbegründet sein, steht die Versicherung dem ITler im Rahmen des passiven Rechtsschutz zur Seite, was bedeutet, die anfallenden Verfahrenskosten zu übernehmen. 

Was zeichnet eine gute IT Haftpflichtversicherung aus? 

  • Offene Deckung bzw. All-Risk-Deckung:
    Alle typischen IT-Tätigkeiten sind versichert. Die Versicherung beschränkt sich nicht auf Aufzählung einzeln definierter Tätigkeiten. Dadurch sind auch berufliche Randbereiche abgedeckt. 
  • Deckung gilt weltweit:
    Da sich Tätigkeiten im Zeitalter des Internets nicht mehr lokal eingrenzen lassen, ist weltweiter Versicherungsschutz gefragt.
  • Rechtsverletzungen inbegriffen:
    Verletzung von Urheberrechten, Markenrechten, Namens-und Persönlichkeitsrechten, sowie jeglichen Datenschutzgesetzen sind auch bei grober Fahrlässigkeit versichert. 
  • Vorumsätze uneingeschränkt abgedeckt:
    Auch wenn Projekte bereits vor Versicherungsabschluss abgeschlossen wurden, sind diese mitversichert. 
  • Keine Experimentier- bzw. Erprobungsklausel:
    Es muss undbedingt darauf geachtet werden, dass keine Ausschlüsse wie diese enthalten sind: „…ausgeschlossen sind Schäden, die durch Mehraufwand hätten vermieden werden können.“ Solche Klauseln bieten viel Interpretationsspielraum, sehr zum Nachteil des Versicherungsnehmers. Ebenso darf die „Stand-der Technik-Klausel“ nicht fehlen. 
  • Vertragliche Haftung geregelt:
    In Projektverträgen wird die Haftung oftmals anders geregelt, als es der gesetzliche Rahmen des BGB tun würde. Auch hier sollte die IT-Haftpflicht im Speziellen greifen. 
  • Selbstbeteiligung als fixer Betrag:
    Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollte die Selbstbeteiligung im Versicherungsvertrag auf eine bestimmte Summe festgelegt sein. 
  • Deckung von Verzugs-und Folgeschäden:
    Wenn die Deadline bei all der knapp bemessenen Zeit mal überschritten wird und der Auftraggeber Schadensersatz fordert, sollten Leistungsverzögerungen abgedeckt sein. Ebenfalls bei mangelhaften und unvollständig ausgeführten Aufträgen.

Fazit: Eine IT Haftpflichtversicherung sollte sich jeder IT-Freelancer zulegen, da man in den seltensten Fällen über den Auftraggeber mitversichert ist . Bei Vertragsabschluss der Versicherung ist es jedoch wichtig, sich mit jeglichen Ausschlussklauseln auseinanderzusetzen!

Über den Autor

Elena Pruchniewski

Elena Pruchniewski ist als Werkstudentin im Bereich Online-Marketing tätig und studiert Technikjournalismus und PR an der TH in Nürnberg. Damit ist sie seit April 2019 ein Teil des freelancermap-Teams.

Von Elena Pruchniewski

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