So kalkulieren Sie Ihren Stundensatz als Dienstleister

14.11.2017

Wer als Selbstständiger bzw. Freelancer Dienstleistungen unterschiedlicher Art anbietet, hat es mitunter schwierig, den passenden Stundensatz für die eigene Arbeit zu kalkulieren. Egal, ob Webdesigner, Texter oder Grafiker – der Wert der eigenen Tätigkeit wird gerne unterschätzt. Dabei ist es elementar wichtig, diesen korrekt anzusetzen, denn: Wer sich unter Wert verkauft, schadet sich damit nicht nur geschäftlich – er signalisiert seinen Auftraggebern auch: „Meine Arbeit ist nichts wert.“.




Häufig wird bei Nachfragen und Verhandlungen mit potenziellen Auftraggebern verschämt um das Thema herumgeredet; dabei ist sowohl Auftragnehmern als auch Kunden klar: Jeder Unternehmer muss zumindest so wirtschaftlich denken, dass sich das Unternehmen trägt. Freelancer sollten daher selbstbewusst und deutlich die eigene Preisgestaltung kommunizieren – doch wie berechnet man eigentlich als Selbstständiger die eigenen Honorare?


Für den eigenen Stundensatz gibt es keine pauschale Formel

Wer wirtschaftlich denkt, sollte seiner Berechnung folgende Überlegungen zugrunde legen:
 
  • Sie wollen Geld verdienen? Niemand arbeitet, ohne wirtschaftlich davon zu profitieren – ob Angestellter oder Freelancer spielt dabei keine Rolle. Bedenken Sie das, bevor Sie sich an die Kalkulation Ihres Stundensatzes geben – Sie üben kein Ehrenamt aus, bei dem Sie ohne einen monetären Vorteil wieder nach Hause gehen.
 
  • Sie haben Ausgaben? Wunderbar, auch diese sollten bei der Honorarkalkulation eine Rolle spielen! Als Unternehmer müssen Ihre Einnahmen sowohl Ihre Ausgaben decken als auch einen Gewinn übrig lassen. 
 
  • Sie möchten ab und zu frei haben? Auch das gehört mit in die Kalkulation. Kein Arbeitnehmer arbeitet das komplette Jahr durch – und auch kein Arbeitgeber. Warum sollten Sie als Freelancer eine Ausnahme sein? Sie benötigen freie Tage wie jeder andere – und an denen verdienen Sie mangels produktiver Arbeit nichts. Der Verdienst an den anderen Tagen muss diesen Ausfall ausgleichen.

Stundensatz berechnen: So geht’s!

Gehen Sie von einem durchschnittlichen Umsatz von 6000 Euro für Ihre Selbstständigkeit aus. Das ist gar nicht sehr hoch gegriffen, denn Umsatz ist bekanntermaßen nicht das, was als Gewinn am Ende des Monats übrig bleibt. Außerdem müssen Sie Ihren Umsatz hoch genug ansetzen, um eventuelle Ausfallzeiten abzufedern und passende Reserven bilden zu können. Rund 50 Prozent vom Umsatz sind nach konservativer Schätzung Ausgaben für Steuern, Investitionen und Versicherungen – damit bleiben von den 6000 Euro noch rund 3000 Euro als Nettoverdienst übrig. 

Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von roundabout 40 Stunden entfallen auf jeden Werktag 8 Stunden durchschnittliche Arbeitszeit. Davon sind aber nur rund die Hälfte als produktive Arbeitszeit einzuordnen – die andere Hälfte müssen Sie für „Nebensächlichkeiten“ wie Papierkram, Akquise und Pausen einkalkulieren. Damit bleiben Ihnen von den 40 Wochenarbeitsstunden noch rund 20 Stunden übrig – auf den Monat gerechnet also plus / minus 80 Stunden, die Sie im Dienste Ihrer Kunden tätig sein können. 

6000 Euro geteilt durch 80 Stunden ergibt einen Stundenlohn von 75 Euro – bedenken Sie, dass dies für einen Umsatz von 6000 Euro gilt. Möchten Sie Ihren Umsatz (und damit auch Ihren Lohn) erhöhen, müssen Sie auch Ihren Stundenlohn dementsprechend anpassen. Die 75 Euro sind das Mindeste, was Sie einnehmen MÜSSEN, um sich und Ihr Unternehmen über Wasser zu halten – kommunizieren Sie das auch im Umgang mit Ihren Kunden. 

Übrigens: Rechnung48 hat jetzt für alle Freiberufler, Selbstständige und Freelancer ein Whitepaper zum Thema Stundensatzkalkulation mit einer detaillierten Beispielrechnung erstellt: http://bit.ly/stundensatz-r48 – Interessierte können dies nutzen, um die eigene Preisgestaltung zu optimieren und um für das eigene Unternehmen mehr Wirtschaftlichkeit zu erreichen.

Autor: Matthias Bommer, Rechnung48




Bild: © ty - Fotolia com
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