Freelancer vs. Angestellte – ein Gehaltsvergleich

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Zwar ist das Einkommen gemäss Freelancer-Kompass 2020 nicht der Hauptgrund für den Schritt in die Selbständigkeit, jedoch gilt das Freelancer-Dasein gemeinhin als äußerst lukrativ. In diesem Artikel vergleichen wir die Gehälter von IT-Festangestellten und Selbstständigen und zeigen auf, wer am Ende tatsächlich mehr verdient.


Inhalt des Artikels:

  1. Freelancer oder Angestellter – wer verdient mehr?
  2. Der Bildungsabschluss
  3. Die Berufserfahrung
  4. Der Arbeitgeber
  5. Die Branche
  6. Die Funktion
  7. Die Berufserfahrung
  8. Der Freelancer-Faktor: Arbeitstage, Abzüge und Ausgaben
  9. Fazit

Natürlich kann das Gehalt eines Festangestellten nicht eins-zu-eins mit dem Stundensatz des Freelancers vergleichen werden. Während Monatsgehälter pauschal ausgezahlt werden, lassen sich Freelancer pro Stunde bezahlen. Außerdem wirken sich verschiedenste weitere Faktoren auf die Einkommen von Festangestellten und Freelancern aus. Wir haben diese Faktoren im Folgenden genauer unter die Lupe genommen.

Freelancer oder Angestellter – wer verdient mehr?

Die Vergütungsanalysten von Compensation Partner kommen in ihrer IT-Studie 2020 auf einen Gehalts-Mittelwert von ca. 63.184 Euro brutto für angestellte IT-Spezialisten. Gemäß Stepstone Gehaltsreport liegt das Durchschnittsgehalt in der IT-Branche in Deutschland bei rund 60.545 Euro brutto. Berechnet man davon das Nettomonatsgehalt, kommt man auf rund 3.3000 Euro.

Neben den persönlichen Qualifikationen der Mitarbeitenden, spielen bei Angestellten auch Faktoren wie der Arbeitgeber und dessen Umfeld, sowie die Demografie der Arbeitnehmenden eine tragende Rolle.

Genau wie beim Angestellten sind auch beim Selbstständigen-Gehalt verschiedenste Faktoren von Bedeutung. Erster wichtiger Unterschied: IT-Selbstständige arbeiten an verschiedenen Projekten und werden dort meistens pro geleistete Stunde vergütet. Sie müssen also berechnen, wie hoch sie den Stundensatz ansetzen um für ihre Arbeit fair entlohnt zu werden. Dabei müssen sie Einflussfaktoren wie Betriebsausgaben, Versicherungen, Wohnsitz, Steuerklasse oder Urlaubstage genauso einkalkulieren wie ihre Qualifikationen und Erfahrungen.

IT-Freelancer verdienen durchschnittlich 2.600 Euro mehr als ihre festangestellten Kollegen.
IT-Freelancer verdienen durchschnittlich 2.600 Euro mehr als ihre festangestellten Kollegen.

Gemäß Freelancer-Kompass liegt das durchschnittliche Nettomonatseinkommen 2020 für Freelancer bei 5.899 Euro. Ihr Monatseinkommen ist somit also rund 2.600 Euro höher als das Durchschnittseinkommen eines IT-Festangestellten. Doch woher kommt der große Unterschied?

ℹ️ Im Freelancer-Kompass werden jedes Jahr IT-Freelancer aus der D/A/CH-Region zu ihrem Berufsalltag befragt. Daraus ergibt sich ein aussagekräftiges Bild über den Arbeitsalltag und das Einkommen der Freiberufler.

Der Bildungsabschluss

Zuerst wird der jeweilige Bildungsabschluss Löhne von IT-Angstellten näher analysiert. Erwartungsgemäß wird ein höherer Bildungsgrad von Arbeitgebern höher entlohnt. So verdienen promovierte Arbeitnehmer gemäß der Studie von Compensation Partner mit 82.300 Euro jährlich am meisten, gefolgt von Master-Absolventen mit 69.985 Euro. Erstaunliche Erkenntnis der Gehaltsstudie unter IT-Angestellten: Ausgebildete Meister verdienen in der IT-Branche mehr als Akademiker die «nur» den Bachelorabschluss vorweisen können. Wer eine Ausbildung zum Informatiker abgeschlossen hat, verdient im Schnitt immer noch 51.593 Euro.

BildungshintergrundMittelwert
Ausbildung51.593 €
Meister/Fachwirt57.094 €
  
Bachelorabschluss56.880 €
Masterabschluss69.985 €
Promotion82.346 €

Quelle: compensation-partner.de

Genau wie beim angestellten IT-Spezialisten spielt die Ausbildung der Freelancer eine Rolle. Hier zeigen die Ergebnisse des Freelancer-Kompass 2020, dass Selbstständige mit Hochschulabschluss mit 96 Euro die höchsten Nettostundensätze verlangen. Ob diese jedoch von einer Universität oder einer Fachhochschule verliehen wurden – und ob es sich dabei um Master oder Bachelorabschlüsse handelt – macht keinen Unterschied.

ℹ️ Der All-inklusive-Stundensatz oder auch Netto-Stundensatz bezieht sich auf den Stundensatz, der alles beinhaltet außer Umsatzsteuer.

Freelancer mit Abitur verdienen durchschnittlich 90 Euro pro Stunde. Mittlere Reife und sonstige Abschlüsse kommen auf 88 Euro. Freie Mitarbeitende, die „nur“ die Hauptschule abgeschlossen haben, verdienen noch 82 Euro.

Wo bei Festangestellten IT-Spezialisten die einzelnen Abschlüsse unterschiedlich gewichtet werden, spielt bei Freelancern der spezifische Bildungsabschluss eine weniger große Rolle.
Wo bei Festangestellten IT-Spezialisten die einzelnen Abschlüsse unterschiedlich gewichtet werden, spielt bei Freelancern der spezifische Hochschulabschluss eine weniger große Rolle.

Wir können festhalten, dass sich bei beiden – Freelancern und Angestellten – der Bildungsabschluss direkt auf die Höhe des Einkommens auswirkt. Da von IT-Festangestellten in der Regel mindestens eine Fachausbildung verlangt wird, haben die einzelnen Bildungsabschlüsse ein höheres Gewicht als bei Freelancern, wo der Stundensatz nach Ausbildung weniger variiert.

Die Berufserfahrung

Aufbauend auf den Bildungsabschluss ist auch die gesammelte Berufserfahrung von Bedeutung. Je mehr Erfahrung jemand in seiner Funktion und dem Fachgebiet hat, desto wichtiger ist er für den Arbeitgeber. Auch in der IT-Branche steigt der Lohn am Anfang eher langsam an, erhöht sich gemäß der Studie von Compensation Partner aber mit steigender Erfahrung zunehmend. So liegt das Einstiegsgehalt im Durchschnitt bei 51.688 Euro brutto, wer mehr als 13 Jahre Arbeitserfahrung vorweisen kann durchschnittlich 72.572 Euro.

Auch als Freiberufler spielt die Berufserfahrung eine grosse Rolle. Der Freelancer-Kompass 2020 hat ergeben, dass die meisten Freelancer den Schritt in die Selbstständigkeit nach sechs bis zehn Jahren Berufserfahrung als Festangestellte wagen. Da Erfahrung für Freelancer als Qualitätsmerkmal gilt und daher besonders wertvoll ist, verdienen erfahrene Selbstständige am meisten. Gemäß Freelancer-Kompass sind IT-Freelancer, mit über 25 Jahre Erfahrung am forderndsten, wenn es um den Stundensatz geht. Sie verlangen im Durchschnitt 103 Euro pro Stunde.

Festangestellte müssen sich erst einmal Berufserfahrung zulegen, bevor das Gehalt merklich steigt. Bei Freelancern geht das schneller.
Festangestellte müssen sich erst einmal Berufserfahrung zulegen, bevor das Gehalt merklich steigt. Bei Freelancern steigt der Stundensatz schon nach wenigen Jahren deutlich an.

Die beiden Studien machen deutlich, dass sich auch die Berufserfahrung in beiden Positionen auf das Einkommen auswirkt.

Der Arbeitgeber

Ein weiterer entscheidender Faktor bei den Gehältern von Angestellten IT-Experten ist die Größe des Arbeitgeberunternehmens. Dass kleinere Firmen weniger Personalbudget haben als Große ist bekannt. Das spiegelt sich auch im Lohn wieder. Die Gehälter fallen bei kleineren Unternehmen generell geringer aus, als bei Großunternehmen. Folglich verdienen Angestellte bei Unternehmen mit mehr 1.000 Beschäftigten im Vergleich am meisten.

 Nach UnternehmensgrößeMittelwert
 Fachkräfte/Spezialisten
Durchschnitt alle63.487 €
 klein < 101 MA55.927 €
 mittel 101 – 1000 MA60.341 €
 groß > 1001 MA77.507 €
 Führungskräfte
 Durchschnitt alle135.419 €
 klein < 101 MA105.946 €
 mittel 101 – 1000 MA118.536 €
 groß > 1001 MA143.252 €

Quelle: compensation-partner.de

Die Arbeitgeber der Freelancer sind ihre Kunden. Doch auch deren Eigenschaften sowie ihr Umfeld sind ausschlaggebend für den Stundensatz. Wie der Freelancer-Kompass 2020 zeigte, berechnet der Großteil der Befragten (58 %) ihren Stundensatz für jedes Projekt neu. Auch ergab die Umfrage, dass Freelancer den Stundensatz höher ansetzen, wenn sie für Großfirmen mit mehr als 1000 Mitarbeitenden arbeiten (durchschnittlich 100 €) als wenn sie ihre Dienste kleineren Unternehmen, mit weniger als zehn Mitarbeitern, ihre Dienste anbieten.

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Nebst der Firmengrösse ist natürlich auch der Standort entscheidend. Der Stepstone Gehaltsreport zeigt auf, dass das Einkommen der IT-Spezialisten stark vom Bundesland abhängig ist. So sind die IT-Gehälter in Hessen mit gut 65.000 Euro durchschnittlich am höchsten und in Mecklenburg-Vorpommern mit rund 47.000 Euro am tiefsten.

Auch der Freelancer-Stundensatz variiert je nach Bundesland. Gemäss Freelancer-Kompass 2020 verlangen IT-Spezialisten im Saarland mit 98 Euro den höchsten Stundensatz. Auch bei den Freelancern liegt Mecklenburg-Vorpommern auf dem letzten Platz. Dort liegen die Stundensätze durchschnittlich bei 79 Euro.

Die Branche

Natürlich ist auch die Branche für die Höhe des Gehalts von großer Bedeutung. Im Vergleich schneidet hier bei den Angestellten die Biotechnologie-Branche am besten ab ‒ IT-Spezialisten verdienen hier rund 39 Prozent mehr als der Gesamtdurchschnitt. Am zweit höchsten werden Jobs in der Halbleiterindustrie (+30 %) oder in der Maschinenbauindustrie (+26 %) bezahlt. Die Schlusslichter im Einkommensbereich sind im Call Center, bei Zeitarbeitunternehmen und Krankenhäusern zu finden und verdienen mindestens 15 Prozent unter dem Durchschnitt.

Bei Festangestellten ist die Biothechnologie-Branche am lukrativsten. Freelancer verlangen in in Banking & Finanz-Projekten am meisten.

Unter den Selbstständigen liegt die Finanzbranche auf Position eins der Stundensätze, dahinter kommen Pharma und Chemie vor der Telekommunikations- und vor der Versicherungsbranche.

Die Funktion

Natürlich spielt es bezüglich des Gehalt eine Rolle, in welcher Funktion IT-Experten arbeiten. Die diesjährige IT-Studie von Compensation Partner, welche die Gehälter von 19 verschiedene IT-Funktionen analysiert hat – kommt hier zum Ergebnis, dass IT-Berater unter den Fachkräften am besten verdienen. Sie erhalten für ihre Arbeit im Mittel 78.710 Euro. Gefolgt von den Spezialisten in den Bereichen IT-Sicherheit und Softwareentwicklung. Die hinteren Ränge belegen Fachkräfte aus den Bereichen Datenbank Administration oder 1st Level Support mit durchschnittlich 37.172 Euro.

Führungspersonen verdienen durchschnittlich ein höheres Gehalt als ihre Kollegen ohne Personalverantwortung.

Außerdem ist ausschlaggebend, ob der Angestellte eine Führungsfunktion übernimmt oder nicht. Gemäß dem Stepstone Gehaltsreport verdienen Führungskräfte im Schnitt 24 Prozent mehr als Kollegen ohne Führungsposition. Bei der Studie von Compensation Partner zeigte sich, dass Spezialisten mit Personalverantwortung sogar bis zu 50 Prozent mehr verdienen können als Mitarbeiter ohne Führungsfunktion.

Natürlich spielt auch die Funktion, welche der Freiberufler im Projekt einnimmt, eine Rolle beim Einkommen. Da Freelancer oft besonders gefragte Fähigkeiten für ein Projekt mitbringen und in Unternehmen für ihr Spezialistenwissen angestellt werden, sind sie häufig in entwickelnden oder beratenden Funktionen tätig.

Auch übernehmen sie interimistische Führungspositionen und füllen so kurzfristig höchst verantwortungsvolle Rollen aus. Diese „Retter in der Not“-Position erklärt denn auch, wieso Freelancer so hohe Stundensätze ansetzen können.

Die Vorteile von Freelancern für Unternehmen sind vielfältig.

Aus dem Freelancer-Kompass 2020 geht auch hervor, dass Freelancer ebenfalls höhere Stundensätze ansetzen können, wenn sie in Führungspositionen arbeiten. So kommen selbstständige Manager auf gut 107 Euro die Stunde, Berater knapp dahinter mit 106 Euro. Projektleiter verlangen gut 100 Euro die Stunde. Am unteren Ende der Stundensätze ordnen sich die Projektmitarbeiter mit durchschnittlich 78 Euro pro Stunde ein.

Der Freelancer-Faktor: Arbeitstage, Abzüge und Ausgaben

IT-Freelancer müssen neben den eigenen Fähigkeiten, der Stellenanforderungen und dem Kunden zusätzliche Faktoren in Betracht ziehen. Da Freelancer für ihre Auftragslage selbst verantwortlich sind, können sie kaum zu 100 Prozent produktiv ausgelastet sein. Das bedeutet, dass Freelancer ihre unproduktiven Arbeitstage sowie Urlaub, Krankheits– oder Weiterbildungstage ebenso in die Kalkulation miteinbeziehen müssen, wie die betrieblichen Kosten, Ausgaben, Versicherungen und Altersvorsorge, um ihren Stundensatz richtig zu berechnen.

Während IT-Angestellte am Ende des Monats ihr Nettogehalt ausbezahlt bekommen, müssen Freelancer verschiedenste Abzüge und Ausgaben erst noch verrechnen.

Wo bei Angestellten der Arbeitgeber normalerweise die Sozialversicherung regelt, die Beiträge zahlt und direkt vom Einkommen abrechnet, muss der Freelancer dies selbst einkalkulieren. So werden beispielsweise Beiträge für Kranken-, Pflege-, Renten-, Arbeitslosen-, und Unfallversicherung fällig und fließen somit ebenfalls in die Berechnung des Stundensatzes mit ein.

Anleitung: Den Freelancer-Stundensatz richtig berechnen!

Fazit

Gemäß den betrachteten Studien ist das Einkommen von Freelancern tendenziell höher als das von Festangestellten. Auf der anderen Seite genießen Angestellt Vorteile wie beispielsweise eine längerfristige Planungssicherheit, bezahlten Urlaub und geregelte Arbeitszeiten. Selbständige sind ihres Glückes eigener Schmied und müssen Chancen und Risiken für sich abwägen und nutzen, um erfolgreich zu sein.

Schlussendlich ist ein direkter Gehaltsvergleich von Freelancern und IT-Angestellten mit Vorsicht zu genießen. Fest steht jedoch: Wer gerne sein eigener Chef ist und zumindest theoretisch unbegrenzte Verdienstmöglichkeiten sucht, der sollte den Sprung in die Selbstständigkeit in Betracht ziehen.

Jetzt lesen: Freelancer werden – 10 Schritte in die Unabhängigkeit!

Über den Autor

Natascha Baumann

Natascha Baumann studierte Business Administration mit Schwerpunkt International Entrepreneurship und Digital Media an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Sie ist seit Dezember 2019 im Team von freelancermap.de tätig.

Von Natascha Baumann

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