Freelancer im Interview: Jens Rehsack

17.01.2019

Lesen Sie in unserem Interview mit dem freelancermap-Mitglied Jens Rehsack u.a. über die Probleme selbst erfolgreicher Freelancer und warum eine der größten Herausforderungen der nächsten 10-20 Jahre eine Rückbesinnung auf "the good old days" sein wird.






Kleine Aufwärmrunde - Stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor:
Mein Name ist Jens Rehsack, ich stamme gebürtig aus Köthen (Anhalt), ging kurz nach der Wende in Halle an der Saale auf das Georg Cantor Gymnasium (einem Gymnasium mit starkem mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Profil) und begann danach mein Studium in Informatik an der Martin Luther Universität in Halle. Während des Studiums begann ich bereits mit dem freiberuflichen Arbeiten, denn was anderes gab es nach der Wende in Halle einfach nicht.

Was sind die Probleme und Aufgaben, bei denen Sie Ihren Kunden helfen? 
Angefangen habe ich meine Karriere als jemand, der auf damaligen PC-Systemen sehr hardwarenahe Programme für Kunden schrieb. Nach und nach kristallisierte sich das Interesse für systemnahe Protokolle heraus (wer es kennt: OSI Schichtenmodell 2b/3 bis maximal 5). Da kam dann notgedrungen meist noch Requirements Engineering dazu - so das ich heute als Gesamtpaket Systementwicklung inklusive Architektur und Requirements-Engineering-Support anbieten kann. Meinen Kunden hilft das oft, da in der Industrie 4.0 Migrationsphase selten ein Produktmanager oder vgl. am Projekt beteiligt oder gar vorhanden ist.

Reden wir über den Start Ihrer Karriere: Was hat für Sie den Ausschlag für das freiberufliche Leben gegeben?
Angefangen hat alles während des Studiums, um irgendwie über die Runden zu kommen, da es aus verschiedenen Gründen mit dem Bafög haperte. Ich kam so von Projekt zu Projekt und lernte die Freiheit, einfach "Nein" sagen zu können, durchaus zu schätzen. Und so blieb ich am Ende des Tages dabei.

Mit welchen Problemen hatten Sie zu Beginn Ihrer Tätigkeit- bzw. haben Sie als Freelancer zu kämpfen?
Es gibt verschiedene Probleme - es fängt an bei der guten steuerlichen Beratung, das kein Rückstau beim Finanzamt entsteht und geht über konsequente eigenverantwortliche Absicherung bei unerwarteten Alltagssituationen bis hin zu uneinsichtigen bis ignoranten Mitarbeitern bei Kunden und Projektpartnern. Der erste Teil fällt unter "Freiheit hat Ihren Preis" bzw. "Selbst und Ständig" - der zweite Teil führt leider oft zu Schwierigkeiten im Projekt und kann bisweilen sogar zum Scheitern führen.

Wie definieren Sie eigene Stundensätze und was sollte man dabei beachten?
Ich habe eine Kalkulation meiner monatlichen und jährlichen Ausgaben und rechne da eine Auslastung von 10 Monaten/Jahr entgegen. Das ist mein Stundensatz ohne weitere Aufwendungen. Sollte ein Projekt dennoch solche benötigen (weil man z.B. reisen muss oder einen überdurchschnittlich langen Anfahrtsweg hat), werden diese zusätzlichen Aufwendungen auf den Stundensatz aufgeschlagen.

Erhalten Sie Projektanfragen dabei eher von bestehenden Kunden oder suchen Sie aktiv nach spannenden Aufgaben, die Sie besonderes reizen?
In der Regel betreue ich einen Kunden, bis das Projekt "allein laufen" kann, d.h. ich schaffe die Grundlagen und darauf bauen Kunden lange auf. Das ich wirklich noch einmal gebraucht werde, lag manchmal an der zu kurzen Budgetierung von systemischen Projekten - in der Regel schaffen Kunden das aber noch während der Projektlaufzeit, so das man das nicht unterbrechen muss.

​​​​​​​Was machen Sie, wenn Sie nicht in Ihr Spezialgebiet vertieft sind? Welche Themen innerhalb, aber auch außerhalb der IT-Branche interessieren Sie?
Aktuell meistere ich eine Kampagne im Rollenspielsystem "Das Schwarze Auge" und kümmere mich um unseren Alfa Romeo Zoo. In den Sommermonaten spiele ich auch gern Hobbygärtner - wobei ich da noch ein blutiger Anfänger bin.

Nun vom Besonderen zum Allgemeinen: Die IT-Branche wächst und wächst – worin sehen Sie die Herausforderungen der nächsten Jahre und vermissen Sie manchmal auch “the good old days”?
Die Herausforderungen der nächsten Jahre ist eine Rückbesinnung auf "the good old days". Ja, man kann mit Perl oder Ruby und Angular ganz schnell wunderbare Responsive-Web-Designs aufbauen. Aber die müssen auch betrieben werden, der IoT-Zoo muss ohne Kundeninteraktion gewartet und auf dem aktuellen Stand der (Sicherheits-)Technik gehalten werden. Und man darf bei allen grafischen Entwicklertools und den tollen Gadgets nie vergessen: da steckt überall ein Betriebssystem drunter und die kommunizieren mit der halben Welt in energiesparendster Weise - und das geht nicht mit 42MB großen Ajax-Schichtsystemen, sondern mit Pegeln und Taktzyklen. Die dadurch wohl größte Herausforderung der nächsten 10-20 Jahre wird es also sein, die Lösungen der Vergangenheit zu lernen und für die Zukunft zu adaptieren.

Gibt es noch eine interessante Geschichte oder eine Anekdote aus Ihrer freiberuflichen Tätigkeit, die Sie gerne mit uns teilen würden?
Leider fällt das unter die Geheimhaltungsklauseln der Projekt- und Rahmenverträge. Aber der Blick von aufgeplusterten Projektleitern, wenn man sie zum Datenschutzbeauftragten der Firma schickt, um eine schriftliche Freigabe für laxen Umgang mit Kundendaten zu holen, der ist es immer wieder wert.

Vielen Dank für das Interview!

freelancermap-Profil von Jens Rehsack





 

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