Vertragsverhandlungen für Freelancer

04.09.2018

Für viele Freelancer scheint das traditionelle Vertragswesen der Vergangenheit anzugehören. Ständig wechselnde Jobs und Projekte — der Vertrag ist eher ein kurzer E-Mail-Wechsel als ein offizielles Dokument. Dennoch gibt es auch für Freelancer Situationen, in denen sie einen Vertrag unterschreiben müssen. Nicht nur für diesen Fall lohnt es sich zu wissen, auf was man achten sollte und vor allem wie man für alle faire Vertragsbedingungen aushandelt.




Darum sollten Sie Verträge aushandeln

Wenn Sie als Freelancer noch nie einen Vertrag hatten, fragen Sie sich möglicherweise weshalb Sie sich überhaupt damit beschäftigen sollten. Verträge machen jedoch in vielen Fällen durchaus Sinn, weil sie dafür sorgen, dass sowohl Ihre als auch die Interessen des Kunden geschützt werden. 

Ein Vertrag

    • regelt Bestandteile des Projekts und die genauen Bedingungen;
    • bestimmt die Zahlungsbedingungen, Deadlines und Leistungen;
    • schützt beide Vertragsparteien;
    • zeigt Ihre Professionalität, was vor allem exklusive Kunden schätzen.

Mit dem Vertrag sorgen Sie selbst dafür, dass Sie für die Arbeit, die von Ihnen erwartet wird, fair entlohnt wird. Immer wieder machen Freelancer die Erfahrung, dass Sie Arbeitsleistungen erbringen und im Anschluss ihrem Geld hinterherlaufen müssen. Ein Vertrag sichert Sie ab, weil Sie etwas gegen Firmen mit wenig ausgeprägter Zahlungsmoral in der Hand haben. Der Kunde weiß ebenfalls genau, für was er Geld bezahlt und was er erwarten darf.


So verhandeln Sie den Vertrag

Für viele Freelancer haben Vertragsverhandlungen etwas einschüchterndes. Einige fürchten, sie könnten den Kunden mit ihren Forderungen verprellen und den Auftrag nicht bekommen. Allerdings sind diese Verhandlungen etwas vollkommen natürliches — und man kann es lernen. Diese fünf Punkte sollten Sie im Kopf haben, wenn es an die Vertragsverhandlungen geht:

1) Überlegen Sie sich genau, was Sie wollen
Bevor Sie loslegen, sollten Sie sich ganz genau überlegen, was Sie wollen. Wenn Sie nicht vorher darüber nachdenken, kommen Sie am Ende womöglich zu kurz und ärgern sich. Definieren Sie also genau, wie viel Ihre Arbeit wert ist und welche Deadlines für sie in Ordnung sind. Bedenken Sie auch Kleinigkeiten, zum Beispiel wie viele Verbesserungen und Überarbeitungen Sie innerhalb eines Arbeitsschrittes vornehmen, bevor der Kunde dafür bezahlen muss. Genau zu wissen, was man sich vorstellt und wie man arbeiten möchte, ist die unverzichtbare Basis für Vertragsverhandlungen.

2) Setzen Sie Prioritäten
Es kommt nur sehr selten vor, dass beide Vertragsparteien genau bekommen, was sie sich vorgestellt haben. In der Regel müssen beide ein paar Kompromisse eingehen, damit ein Vertrag überhaupt zustande kommen kann. Setzen Sie also Prioritäten: Welche Bedingungen sind nicht verhandelbar? Und an welchen Stellschrauben würden Sie noch drehen, damit ein Vertrag geschlossen werden kann?

3) Bleiben Sie realistisch
Es wäre zu schön wenn jeder Kunde die Vorstellungen ohne Diskussion annehmen und uns die ultimative Freiheit beim Arbeiten lassen würde. So funktioniert die Jobwelt aber leider nicht und wer von jedem Kunden erwartet, dass alle Forderungen erfüllt werden, wird wohl in Zukunft auf Kunden verzichten müssen. Bleiben Sie also realistisch und überlegen Sie, was Ihr Kunde von Ihnen erwartet und braucht. Wenn beide Parteien fair bleiben und sich auch in den anderen hineinversetzen können, wird es am Ende eine Einigung geben, mit dem beide leben können.

4) Reden hilft
Viele Vertragsverhandlungen werden per E-Mail erledigt, meistens verteilt auf verschiedene Mails. Das ist zwar gerade für Freelancer mit Home Office bequem, doch geschriebene Worte werden leider oft falsch verstanden und interpretiert. Am Ende haben beide Parteien völlig verschiedene Vorstellungen und sind unzufrieden. Um solche Missverständnisse zu umgehen, sollten Sie einfach Ihr Telefon in die Hand nehmen und den Kunden anrufen. Es ist so viel einfacher, spart Zeit und Nerven und sorgt dafür, dass niemand etwas falsch versteht.

5) Es geht um einen Vertrag - nicht darum, wer gewinnt oder verliert
Ein Fehler, der immer wieder passiert: die Verhandlungen werden als Wettkampf verstanden, in dem es einen Gewinner und einen Verlierer gibt. Ein Vertrag soll nichts anderes, als Sie und den Kunden zu schützen und einen Mittelweg für Forderungen und Vorstellungen zu finden, der für beide Parteien in Ordnung ist und für jeden das Beste herausholt. Der Vertrag soll den Grundstein für eine vertrauensvolle und zuverlässige Zusammenarbeit bilden. Er ist der erste Schritt für eine langanhaltende und wertschätzende Beziehung zu einem Kunden, der Sie als Freelancer möglichst lange begleitet.






Bild: © racorn - shutterstock.com 
Freelancer Profil kostenlos anlegen. Aktuelle Projekte erhalten!

 Jetzt durchstarten

Weitere Artikel

  • Sechs Möglichkeiten, Ihr Einkommen zu steigern

    Die Festanstellung aufzugeben, um als Freelancer zu arbeiten, ist eine bewusste und in der Regel gut überlegte Entscheidung. Es gibt sehr unterschiedliche Beweggründe für die Entscheidung, lieber Freelancer zu sein: freie Zeiteinteilung, interessantere Projekte oder auch einfach die Tatsache von zu Hause arbeiten zu können. Doch bei all den Freiheiten gibt es immer auch ein paar Dinge, die viele Freiberufler vermissen — das schwankende Einkommen steht dabei ganz oben auf der Liste der größten Nachteile als Freelancer. Wenn die Auftragslage mal wieder mau ist, der letzte Kunde mit der Zahlung völlig in Verzug ist und am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig ist, wird es Zeit, das Problem aktiv anzugehen. Wir haben sechs Ideen, wie Sie Ihr Freelancer-Einkommen steigern können.
  • Erneut gestiegene Stundensätze für Freiberufler

    Auch in 2018 wächst der Projektmarkt kräftig weiter. Er profitiert dabei von der gut laufenden Wirtschaft und den zahlreichen Projekten im Bereich Digitalisierung. Für Freiberufler sind dies gute Nachrichten.
  • So bauen Sie langlebige Kundenbeziehungen auf

    Es gehört einiges dazu, ein erfolgreiches Geschäft aufzubauen. Ein wichtiger Baustein ist der Aufbau starker, langlebiger Kundenbeziehungen, die gerade Freelancern eine stabile Auftragslage und ein beständiges Einkommen sichern. Zudem kann man mehr Arbeitsstunden in bezahlte Aufgaben von Bestandskunden investieren, statt sich mit aufwendiger Kundenakquise zu beschäftigen. Doch wie bekommt man diese Kundenbindung?

Kommentare

  • Kommentar von Uwe Schmitz am 18.09.2018 um 14:48 Uhr

    Wir sollten langsam vom Gebrauch von Wörtern wie Gehalt / Gehaltsanforderungen Abstand nehmen.
    Beispiel oben
    "3) Bleiben Sie realistisch
    Hach, es wäre zu schön wenn jeder Kunde die Gehaltsanforderungen..."

    Freiberufler vereinbaren Stunden- / Tagessätze für eine zu erbringende Leistung
    Dieses hat rein gar nichts mit einem Gehalt zu tun.

    Es wäre wirklich wünschenswert wenn man von diesem Sprachgebrauch abkommt.

    Zitat von einer anderen Seite:
    "Gehalt ist das Entgelt, das Arbeitsnehmer in der Regel monatlich erhalten."

  • Kommentar von Sabine Mahr am 28.09.2018 um 15:47 Uhr

    Du lieber Himmel - warum wird hier im Zusammenhang mit Freelancern das böse Wort "Arbeitsvertrag" gebraucht? Als wenn die Autoren noch nie etwas vom Scheinselbstständigkeitsdilemma gehört hätten ... Die gesamte Wortwahl (auch "Gehalt" etc.) geht so meilenweit am Freelancer-Dasein vorbei, dass es mich schaudert! Lieber gar nicht erst lesen, ist meine Empfehlung, sonst handelt man sich zwangsläufig Probleme ein, wenn man diese schlecht recherchierten Tipps umsetzen will.

  • Kommentar von Philipp Preischl am 28.09.2018 um 16:44 Uhr

    Sehr geehrte Frau Mahr, sehr geehrter Herr Schmitz,

    vielen Dank für die berechtigten Hinweise - wir haben den Text diesbezüglich "entschärft"!

    Mit freundlichen Grüßen,

    Philipp Preischl
    freelancermap.de

  • Kommentar von Sabine Mahr am 29.09.2018 um 08:26 Uhr

    Sehr geehrter Herr Preischl,

    das Entschärfen reicht leider nicht aus. Spätestens das neue "Werkvertragsgesetz" vom 01.04.2017 hat mindestens den Abschnitt Nr. 4 des Artikels komplett fehlerhaft gemacht. Es ist nämlich nicht nur ratsam, einen schriftlichen Vertrag mit dem Auftraggeber auszuhandeln, sondern sogar dringend notwendig, um bei einem DRV-Statusfeststellungsverfahren nachweisen zu können, dass man nicht die Organisation des Auftraggebers eingegliedert ist. (Und das ist auch nur die halbe Wahrheit, weil es im Endeffekt auf die tatsächliche Durchführung ankommt.) Einem Freelancer zu raten, Dinge doch lieber telefonisch als schriftlich zu regeln, ist unter diesen Umständen sträflich falsch.

    Mit freundlichen Grüßen
    Sabine Mahr

Artikel kommentieren