Was ist für Freelancer beim Honorarvertrag entscheidend?

Werden Freelancer angestellt, so geschieht dies häufig über einen so genannten Honorarvertrag. Geschuldet wird demnach eine bestimmte Arbeitsleistung, ohne dass mit dieser Arbeit ein klar umrissener Erfolg verknüpft wäre. Daher wird zunächst nur die reine Arbeitstätigkeit, nicht aber ein bestimmtes zuvor genau definiertes Ergebnis dieser Arbeit, fällig. Was es dabei zu beachten gilt, erfahren Sie hier.




Honorarvertrag vs. Werkvertrag

Dies macht den Honorarvertrag zu einer Ausnahme. Für gewöhnlich schließen Selbstständige Werkverträge. Ein Beispiel hierfür ist der Kfz-Mechaniker. Mit diesem wird ein Werkvertrag geschlossen, weil er nicht die Ableistung einer bestimmten Zahl von Arbeitsstunden schuldet, sondern die Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit des in Reparatur gegebenen Fahrzeugs. Die erfolgreiche Reparatur ist damit das vollbrachte Werk. Gelingt die Reparatur nicht, hat der Kfz-Mechaniker keinen Anspruch auf Arbeitslohn, sondern kann lediglich möglicherweise Ersatz für Aufwendungen verlangen. 


Honorarvereinbarung vs. Dienstleistungsvertrag

Bei Freiberuflern ist dagegen der Dienstleistungsvertrag die Regel, weil weder der Arzt nur im Falle einer Heilung bezahlt wird noch der Rechtsanwalt nur dann, wenn ein Prozess gewonnen wird. 

Die von Freiberuflern geschlossenen Honorarverträge sollten immer genau geprüft werden. Denn während die meisten Dienstverträge ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis darstellen und Rechte wie eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlten Urlaub und vieles mehr vorsehen, werden bei einem Honorarvertrag lediglich die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden vergütet. 

Entsprechend wichtig ist es, bei der Verhandlung über die zu zahlenden Sätze, all diese Aspekte im Hinterkopf zu haben, um gegenüber abhängig Beschäftigten nicht zu sehr finanziell ins Hintertreffen zu geraten. Die notwendigen Freiräume und die Überbrückung von krankheitsbedingten Ausfällen müssen durch das Honorar mit abgedeckt sein. 


Checkliste: Diese Punkte sollten im Honorarvertrag in jedem Fall geregelt sein

- Alle relevanten Daten beider Vertragspartner
- Dauer des Vertrags (Beginn und Ende der Tätigkeit mit Datum)
- Stundensatz des Honorars (Mehrwertsteuer beachten!)
- Aufzuwendende Zahl an Stunden in einem bestimmten Zeitraum (Tag, Woche, Monat)
- Beschreibung der zu erbringenden Leistung(en)
- Vereinbarung über die Stellung / Erstattung von Arbeitsmitteln
- Verschwiegenheitspflicht
- Fahrtkosten, Spesen
- Berichtspflicht (Zeitraum, Fertigungstiefe)
- Kündigungsregelungen
- Erfüllungsort und Gerichtsstand
- Ort, Datum

Je klarer die einzelnen Punkte definiert sind, desto weniger sind Nachverhandlungen während der eigentlichen Tätigkeit notwendig, wenn es etwa um die Übernahme von Übernachtungskosten im Rahmen einer notwendig gewordenen Dienstreise geht. Natürlich lassen sich hier nicht alle Punkte bis ins Detail klären. Trotzdem wird, wenn die oben angesprochenen Punkte aufgeführt sind, der Grundtenor des Vertrags klar und Einzelfragen lassen sich im Sinne der Gesamtheit der Vereinbarung einfacher regeln. 


Vorsicht vor Scheinselbstständigkeit

Wichtig ist vor allem, dass der Honorarvertrag nicht nachträglich für ungültig erklärt wird, weil eine Scheinselbstständigkeit vorliegt. Gerade wenn vor Abschluss des Vertrages ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis bestanden haben sollte, können sich hier rasch Probleme ergeben.

Gleiches gilt für den Fall, wenn über einen längeren Zeitraum die Arbeitskraft der Honorarkraft vollständig in Beschlag genommen wird und eine Tätigkeit für andere Auftraggeber schon aus rein zeitlichen Gründen nicht möglich ist. 

Weiterhin spricht ein hohes Maß von Weisungsgebundenheit gegenüber dem Auftraggeber gegen eine selbstständige Tätigkeit. Auch insoweit sollten der Vertrag und die praktische Ausgestaltung der Tätigkeit einer kritischen Prüfung unterzogen werden, um spätere Komplikationen von vorneherein zu vermeiden. 






Bild: © contrastwerkstatt - Fotolia.com
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