Als Freelancer Aufträge ablehnen?

28.06.2018

Es kommt vor, dass man als Freelancer Aufträge oder Projekte übernimmt, die man eigentlich aus verschiedensten Gründen hätte ablehnen sollen.




Warum Freelancer Aufträge ablehnen:

Ein Projekt oder einen Auftrag abzulehnen ist nicht leicht und widerspricht auf den ersten Blick hin oft den Grundsätzen der Tätigkeit als Freelancer. Denn wie soll man ohne Aufträge überleben? Sollte man nicht dankbar sein für jede Anfrage, die einen erreicht? Erfolgreiche Projekte und zufriedene Kunden sichern langfristig die Existenz, weshalb also die Hand beißen bzw. wegstoßen, von der man gefüttert wird? Diese Fragen spiegeln eine sehr einseitige Sichtweise und eine persönliche Unsicherheit wider.

Dabei gibt es eine ganze Reihe an vernünftigen und nachvollziehbaren Gründen, weshalb es nicht nur falsch sondern auch noch schädlich sein kann, bestimmte Aufträge entgegen Willen und Vernunft zu übernehmen. Jeder Freelancer wird im Laufe seiner Karriere  mit diesen Aspekten in Berührung kommen. 


Nachvollziehbare Gründe für die Absage eines Auftrags

So kann ein Freelancer bei der Anfrage schon so viele Aufträge auf der To-Do-Liste haben, dass er sich dem neuen Auftraggeber gar nicht mit voller Aufmerksamkeit widmen könnte und überhaupt keine Zeit hat, das neue Projekt anzugehen. Im schlimmsten Fall verhindert man so mit einer gut begründeten Absage den Verlust des guten Images. 

Es kann auch passieren, dass man als Freelancer an seine eigenen Grenzen gelangt und spezielle Aufgaben gar nicht erledigen kann. Entweder weil die dafür notwendige Kompetenz fehlt, oder weil die nötigen Mittel nicht vorhanden sind, um den Auftrag erfolgreich abwickeln zu können. Sagt man den Auftrag dennoch nicht ab, läuft man auch hier Gefahr, zu enttäuschen und keine weiteren Folgeaufträge mehr zu erhalten. Deshalb ist bei fehlender Kompetenz Einsicht gefragt und der Mut, das zuzugeben und den Auftrag abzulehnen.

Auch das Verhältnis zum Kunden ist nicht zu unterschätzen. Kunde und Freelancer müssen nicht immer auf einer Wellenlänge sein. Ist das der Fall, könnte das Projekt schon vor dem Start zum Scheitern verurteilt sein. Merkt der Freelancer bereits bei den ersten Gesprächen Spannungen und Antipathie, sollte er sich lieber nach einem anderen Auftrag umsehen. So ist die Zusammenarbeit für beide Seiten nicht sinnvoll. 

Ein weiterer wichtiger Grund für eine Absage: Der Kunde will Sie nicht angemessen für Ihre Leistungen bezahlen. Hier tun Sie sich mit der Ablehnung des Auftrags eindeutig einen Gefallen. Investieren Sie Ihre Zeit lieber in die Suche nach Kunden, die Ihre Arbeit leistungsgerecht vergüten. 

Natürlich sind auch schlicht und einfach Krankheitsfälle gute und nachvollziehbare Gründe für eine Absage. So kann man als Freelancer beispielsweise auch nach der überstandenen Krankheit noch nicht zwingend Vollgas geben und ist auf das eigene Durchhaltevermögen angewiesen. Schonen Sie in diesem Fall Ihre Ressourcen. Lassen gesundheitliche Einschränkungen den Auftrag nicht zu, sollte man – auch zum eigenen Schutz – dankend ablehnen.


Absage heißt nicht Niederlage!

Alles könnte doch so einfach sein, eine höfliche Ablehnung würde aller Sorge ein Ende setzen. Oder doch nicht? In der Tat ist es für viele Freelancer gar nicht so leicht, dem Kunden ein freundliches, aber bestimmtes „Nein, danke“ so zu verkaufen, dass er nicht gekränkt ist und im Idealfall ein andermal wieder mit einer Anfrage an die Tür bzw. an das Postfach klopft. Überlegungen, welche Freelancer häufig davon abhalten, ein Auftragsangebot abzulehnen, sind beispielsweise: 

    • Verschenken einer lukrativen Gelegenheit 
    • Angst vor dem Ausbleiben weiterer Aufträge 
    • Grundsätzliche Scheu vor Konfrontationen 
    • Sympathie bzw. Gefühl der Verpflichtung gegenüber dem Kunden (v.a. nach Empfehlung) 
    • Ablehnung als Zeichen persönlicher Schwäche oder Inkompetenz 


Ablehnung als Notbremse bzw. kleineres Übel!

Man sollte sich in seinem solchen Gewissenskonflikt ernsthaft fragen, was am Ende den größeren Schaden anrichtet: Ein oder sogar mehrere enttäuschte Kunden, die mit dem nur halbherzig bearbeiteten Projekt unzufrieden sind, oder Kunden, denen man höflich, aufrichtig und selbstbewusst eine klare Absage erteilt hat.

Eines sollte man dabei nicht vergessen: Wenn der Bäcker Ihrer Wahl Ihnen mitteilt, dass er leider für das Wochenende keine Bestellungen mehr annehmen kann, kehren Sie ihm dann auf Ewig den Rücken? Bestimmt nicht. Sie kaufen Ihr Brot bei einem anderen und kommen bei nächster sich bietender Gelegenheit wieder auf den ersten Bäcker zurück. Und wenn Sie mit dem „Ersatzbäcker“ so zufrieden waren, dass Sie über seine Dienstleistung den ersten ganz vergessen? Dann wird dieser auch ohne Sie überleben, keine Sorge! Denn diejenigen, die er beliefert hat, sind schließlich mit ihm zufrieden und werden ihn weiterempfehlen – sofern er ihr Gebäck nicht verbrannt ausgeliefert hat… 


Projekte ablehnen: So klappt’s mit dem Nein!

Mit welcher Begründung Sie einem Kunden am Ende mitteilen, dass Sie seine Projektanfrage nicht übernehmen können oder wollen, bleibt Ihnen überlassen. Viel entscheidender ist, dass Sie sich selbst gegenüber in der Sache ein gutes Gewissen und nicht ständig das Gefühl haben, sich im Nachhinein aufgrund der Ablehnung wiederholt vor sich selbst rechtfertigen zu müssen. Hierfür gibt es einige einfache Regeln und Übungen, so dass künftig die Absage an einen Kunden keine Belastung mehr für Sie darstellt. 


Hals über Kopf heißt oft Hals- und Beinbruch!

Überstürzen Sie Ihre Entscheidung, einen Auftrag zu übernehmen, nicht. Vergegenwärtigen Sie sich Faktoren wie Ihre momentane Auslastung, Ihre Skills und Kompetenzen und – nicht zuletzt – Ihre Freude an der eigenen Arbeit. Bleibt bei einem Projekt buchstäblich nicht einmal die eine Nacht, um darüber zu schlafen, kann dies ein Indiz für den Druck und den Stress sein, mit dem der Auftrag einher geht. Denken Sie rational, hören Sie aber auch auf Ihr Bauchgefühl, wenn Sie Risiken oder Anlässe zur Vorsicht „wittern“. Sparen Sie Ihre Energie, Kreativität und Ihren Enthusiasmus lieber für Anfragen auf, hinter denen Sie auch zu 100 Prozent stehen können und wollen! 


Wer will nochmal, wer hat noch nicht? – Anfragen weiterreichen!

Gerade wenn Sie selbst vorübergehend ausgelastet sind oder Ihr Leistungsspektrum eine Anfrage nicht ausreichend abdeckt, ist die Weiterempfehlung an einen Freelancer-Kollegen ein hervorragendes Mittel. Davon profitieren Sie trotz Absage auf verschiedenen Ebenen: Zum einen sieht sich der Kunde nicht einfach abgewiesen, sondern fühlt sich trotz der Absage gut betreut, da Sie ihn in fähige Hände weiterempfehlen. Zum anderen erhält er einen Einblick in Ihr Business-Netzwerk, das es Ihnen erlaubt, ihn kurzum an einen professionellen Kontakt zu verweisen. Und nicht zuletzt werfen Begründungen wie hohe Auslastung und die Weitergabe von Aufträgen ein positives Licht auf Ihre eigene Professionalität. Und eines ist sicher: Ihre Kollegen werden es Ihnen sicherlich danken, wenn Sie ihnen den einen oder anderen Auftrag weiterreichen, und sich bei Gelegenheit revanchieren! 


Keine Ausreden durch Einreden!

So wichtig Durchhaltevermögen, Stressresistenz und Selbstbewusstsein auch sind: Es ist nicht Sinn und Zweck, sich vor und v.a. während Projekten stets auf’s Neue einreden zu müssen, dass der Auftrag ja nicht (mehr) lange dauern werde. Oder dass es ja nur dieses eine Mal um eine Zusammenarbeit mit dem (unerträglichen) Kunden geht. Oder man nur (noch) für dieses eine Projekt der Devise „Augen zu und durch!“ folgen muss. Gerade wenn Sie wiederholt solche Aufträge übernehmen und diese auch noch länger dauern, laufen Sie vielleicht Gefahr, die Freude an Ihrem Tun aufs Spiel zu setzen. Jeder Freelancer will mit seiner Arbeit seine persönlichen Ziele verfolgen, daher sollte man „ziellose“ Aufträge – soweit es geht – minimieren! 


Nein, nein und nochmals nein – Übung macht den Meister!

Wenden Sie sich an Familienmitglieder, Freunde, Partner oder Kollegen und suchen Sie sich jemanden aus, mit dem Sie im Gespräch Ablehnung, nein Sagen und Rechtfertigung üben. Senden Sie dem oder derjenigen auch eine Mail, in der Sie Ihre Absage an einen Kunden schriftlich formulieren. Mit dem Feedback, das Sie von Ihrem Gegenüber erhalten, können Sie ermitteln, wie Sie in der jeweiligen Situation wirken und gleichzeitig Ihre Hemmungen abbauen. Am Ende verfügen Sie im Idealfall nicht nur über eine „Standardmailvorlage“ für Projektabsagen, sondern können sowohl telefonisch als auch von Angesicht zu Angesicht Ihren Standpunkt vertreten und durchsetzen.






Bild: © alphaspirit - Fotolia.com
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