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05.06.2018

Freelancer im Interview: Eugen Oetringer


Wir haben Methoden, Tools und Spezialisten für alle möglichen Gebiete. Wo sind die, die dafür sorgen, dass das Ganze funktioniert? Als Senior Analyst, Berater und Sparring Partner hat das freelancermap-Mitglied Eugen Oetringer sich darauf spezialisiert diese Frage zu beantworten. Ob es um die Unternehmenssteuerung, die interne Kommunikation, die IT oder das Gesundheitssystem geht - der richtige Ansatz liefert überraschend einfache Lösungen.





Kleine Aufwärmrunde - Stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor:
Ich komme aus Trier und lebe seit 30 Jahren in der Nähe von Rotterdam. Seit 2009 bin ich Freiberufler. Was mir Energie gibt, ist das Aufspüren und Lösen von Kernursachen komplexer Problemgebiete. Das ist vor allem dann der Fall, wenn bisherige Lösungsansätze unzureichende Resultate geliefert haben. Wie dies zu erreichen ist, habe ich von der Kultur gelernt, die Ross Perot, auch bekannt von seiner Kandidatur für das Amt des Präsidenten der U.S.A., bei seinem IT-Unternehmen EDS hinterlassen hatte. Ob es um die Unternehmenssteuerung ging, jährlich wiederkehrende Einsparungsinitiativen, die interne Kommunikation, die IT oder das Gesundheitssystem, es stellte sich heraus, dass die primären Kernursachen unzureichender Resultate dieselben waren. Hiermit wurde auch deutlich, wo die einfachen Lösungen zu finden waren. Zu meiner Überraschung hat dies in meiner Familie auch bei den geistigen Leiden ADHS und Legasthenie zu den gewünschten Resultaten geführt.   

Was sind die Probleme und Aufgaben, bei denen Sie Ihren Kunden helfen? 
In der heutigen Welt haben wir Methoden beziehungsweise Best Practices, Tools und Spezialisten für alle möglichen Gebiete. Wo sind aber die, die dafür sorgen, dass das Ganze funktioniert? Als Senior Analyst, Berater und Sparring Partner habe ich mich vor allem auf die Beantwortung dieser Frage spezialisiert. Konkret geht es um diese Fragen: 

    1. Wo ist die Lösung für die auflaufenden Konflikte zwischen traditionellen Methoden wie Projektmanagement, Governance, Waterfall und Service Management/ITIL und neuen Methoden wie Agile/Scrum, Semco und Selbstorganisation? – Es stellte sich heraus, dass diese Konflikte über ein einziges Wort lösbar sind. In 2011 wurde es als Ergänzung zu populären Methoden für den Umgang mit Komplexität veröffentlicht.  

    2. Wo sind die Lösungsansätze, die die veränderbaren Ursachen aufspüren und lösen, die sich hinter endlosen Diskussionen, Schuldzuweisungen, unzureichenden Projektresultaten und wiederkehrenden Einsparungsprojekten verstecken? – So manche außergewöhnlich erfolgreiche Initiative hat hier angesetzt. Auch die Lösung zu der nachfolgende Herausforderung wurde über das Aufspüren der veränderbaren Ursachen gefunden. Mittlerweile gibt es eine kaum bekannte Methode, die die versteckten Ursachen und den ausführbaren Lösungsansatz über ein paar Workshops identifiziert. 

    3. Wo sind die Lösungen, die das Gebiet der sehr komplexen Interaktionen zwischen zentralen und lokalen Organisationen und zwischen den Methoden überbrücken? – Bei EDS ist es uns gelungen, dieses Interaktionsgebiet für 30.000 Mitarbeiter zu überbrücken. Damals war die Lösung ihrer Zeit voraus. Heute liefert sie die Fundamente um Agilität und zugleich Stabilität auf Unternehmensniveau zu ermöglichen.  

    4. Wo sind die Ansätze, die Phänomene in komplexen Umgebungen erkennen und die für das Phänomen effektiven Techniken einsetzen? – Hierbei geht es um Phänomene wie Kapazitätsengpässe, Umschlagpunkte und Schmetterlingseffekte. Auch in der virtuellen Welt der Organisationen und im Gesundheitssystem bestehen sie. Leider werden sie oft nicht als solche erkannt. Um die enormen Möglichkeiten zu verdeutlichen, hier ein Beispiel:

Das Phänomen "Kapazitätsengpass" lieferte den entscheidenden Hinweis. In meiner Familie waren die Resultate der offiziellen Therapien unzureichend. Es gab tägliche Wutausbrüche (ADHS). Das Erlernen des Lesens wollte einfach nicht funktionieren (Legasthenie). In dieser Situation vielen mir ungewöhnliche Therapien auf, die offensichtlich Techniken aus dem Kapazitätsmanagement einsetzten. Eine dieser Techniken wird uns gezeigt, wenn Navigationsgeräte einen Umweg empfehlen um einen Stau zu vermeiden. Nachdem eine der ungewöhnlichen Therapien offensichtlich Kapazitätsengpässe abgebaut hatte, war das Lesen innerhalb von sechs Wochen erlernt. Als "Nebenwirkung" gab es nur noch einen Wutausbruch in 10 Jahren. Überraschenderweise waren auf den Gebieten ADHS, Legasthenie und Autismus keine Forschungsberichte zu finden, die die Techniken eingesetzt haben, die wir zum Beispiel von den Navigationsgeräten kennen. Über eine Stiftung und ein Netzwerk auf dem Gebiet des niederländischen Gesundheitssystems wurde deutlich, dass dieses Beispiel kein Einzelfall war, im Gegenteil. Es stellte sich heraus, dass der zielgerichtete Einsatz von Kenntnissen aus anderen Disziplinen darauf wartet eingesetzt zu werden um effektivere Therapien kurzfristig zu finden, und um das Gesundheitssystem auch in der Zukunft bezahlbar zu machen. – Im Gegensatz zu so mancher Einsparungsinitiative, die an anderer Stelle neue Kosten entstehen lässt, handelt es sich hierbei um echte Einsparungen, bis hin zur Vermeidung von Vandalismus und Kriminalität. 


Reden wir über den Start Ihrer Karriere: Was hat für Sie den Ausschlag für das freiberufliche Leben gegeben?
Bei EDS habe ich in einer Kultur gearbeitet, in der ungelöste Probleme keine Option waren. Innovationen und Wertschöpfung waren eine Selbstverständlichkeit. Mit der Einführung der traditionellen Methoden gingen diese Möglichkeiten verloren. Ein blühendes Unternehmen, mit 139.000 Mitarbeitern, wurde ein Unternehmen mit jährlichen Einsparungsprojekten und Reorganisationen. Letztendlich wurde es übernommen. Zugleich hatte mir die "alte" Kultur den Weg zu effektiven Lösungen gezeigt. Leider waren diese damals zu innovativ. Deshalb habe ich mich entschlossen diese Möglichkeiten über eine freiberufliche Tätigkeit weiter zu verfolgen.  

Natürlich sind wir jetzt gespannt – konnten Sie bei der Projektsuche gute Erfahrungen mit freelancermap machen?
freelancermap habe ich als eine sehr benutzerfreundliche Plattform erfahren, die Angebot und Nachfrage zusammenbringt.  

Was machen Sie, wenn Sie nicht in Ihr Spezialgebiet vertieft sind? Welche Themen innerhalb, aber auch außerhalb der IT-Branche interessieren Sie?
Mit den ADHS-, Legasthenie- und mittlerweile auch Autismus-Erfahrungen ist mein aus der Hand gelaufenes Hobby die Psychologie geworden. Darüber hinaus hat das oben angegebene Beispiel mich veranlasst, Mitbegründer eines Netzwerkes auf dem Gebiet des niederländischen Gesundheitssystems zu werden.    

Nun vom Besonderen zum Allgemeinen: Die IT-Branche wächst und wächst – worin sehen Sie die Herausforderungen der nächsten Jahre und vermissen Sie manchmal auch “the good old days”?
Die größte Herausforderung sehe ich darin, IT-Organisationen wieder in die Lage zu versetzen, das Kerngeschäft optimal zu unterstützen und die Erfolgsaussichten von Projekten drastisch zu erhöhen. Seit Ende der 90er Jahre wurde dies über den Einsatz von Methoden und IT-Tools versucht. Heute sind wir 20 Jahre weiter. Ein frischer Lösungsansatz ist nötig. Wie dieser aussehen kann, hoffe ich mit den oben angegebenen Fragen veranschaulicht zu haben. 

Vielen Dank für das Interview!

freelancermap-Profil von Eugen Oetringer
 
Webseite von Eugen Oetringer





 
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