Freelancer im Interview: Joerg Roedle

19.12.2017

Als globaler Portfolio- Program- und Projekt Manager übernimmt das freelancermap-Mitglied Joerg Roedle entgleiste, internationale Projekt-Portfolios um sie wieder auf die Erfolgsschiene zu setzen.





Kleine Aufwärmrunde - Stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor:
Joerg Roedle aus Freiburg i.Br.; ich bin Freiberufler seit dem Jahr 2002 und habe mich auf globales IT Program und Projekt-Portfolio Management fokussiert. 

Was sind die Probleme und Aufgaben, bei denen Sie Ihren Kunden helfen? 
In der Regel übernehme ich notleidende, globale Programme und Projekt-Portfolios, bei denen der Kunde wöchentlich Millionenbeträge verliert. Meine Aufgabe ist es, diese Programme in die Erfolgsspur zu bringen. Dabei helfen mir neben einer breit angelegten akademischen Ausbildung und fundiertem Methodenwissen auch über zwanzig Jahre branchen-, technologie- und länderübergreifende Berufserfahrung. 

Reden wir über den Start Ihrer Karriere: Was hat für Sie den Ausschlag für das freiberufliche Leben gegeben?
Ausschlaggebend waren die "9/11" Anschläge in den USA, aufgrund denen die Projektaufträge meines damaligen Arbeitgebers nahezu komplett einbrachen. Ich führte damals ein Proposalteam, dessen Konzepte die Kunden dankbar annahmen, die Durchführung jedoch an preiswertere Mitbewerber vergaben. Anstatt in einer sicheren, aber damals wenig perspektivreichen Festanstellung zu verbleiben, trat ich die Flucht nach Vorne in die Freiberuflichkeit an - und habe diesen Schritt nie bereut. 

Erhalten Sie Projektanfragen dabei eher von bestehenden Kunden oder suchen Sie aktiv nach spannenden Aufgaben, die Sie besonderes reizen?
Mich reizen die echten Herausforderungen in stets neuen Umfeldern. Konsequenterweise kommen die Anfragen über verschiedene Wege - persönliche Kontakte, soziale Netzwerke, Agenturen und nicht zuletzt Portalen wie freelancermap. Ein notleidendes Program ist für die Kunden eine so schmerzhafte Erfahrung, dass sie die von mir implementierten Methoden und Verfahren nutzen, um diese Erfahrung nicht nochmals machen zu müssen und es somit nahezu nie zu neuen Aufträgen des gleichen Kunden kommt. Da ich in aller Regel jedoch mit Schulungen, Kennzahlen, Controlling, Audits und weiteren Maßnahmen bei der Implementierung behilflich sein darf, bin ich gerne "Opfer meines eigenen Erfolgs". 

Natürlich sind wir jetzt gespannt – konnten Sie bei der Projektsuche gute Erfahrungen mit freelancermap machen?
Freelancermap ist inzwischen mein mit Abstand wichtigstes Jobportal, über das ich die meisten Kontakte aufbaue. Auch wenn nicht jeder Kontakt sofort zu einem Auftrag führt, bahnen sich zahlreiche Interviews an, die nicht selten zu inspirierenden Gesprächen und Ideenaustausch führen. In der Folge kann ich von Empfehlungen und dem Weiterleiten meiner Kontaktdaten mein Netzwerk potentieller Auftraggeber kontinuierlich vergrößern.

Was machen Sie, wenn Sie nicht in Ihr Spezialgebiet vertieft sind? Welche Themen innerhalb, aber auch außerhalb der IT-Branche interessieren Sie?
Ich muss zugeben dass meine privaten Interessen stark von meinem Beruf beeinflusst werden. Mein Lesestoff sind Fachbücher und Trainingsdokumente, sportlich suche ich mir Aktivitäten, die ich jederzeit, überall und ohne weitere Personen ausüben kann (z.B. Joggen). Aktuell bilde ich mich bei openSAP bezüglich Industrie 4.0 weiter (Business Model Canvas, Design Thinking, Machine Learning, IoT, Big Data, Cloud, SAP S/4HANA, etc.).

Nun vom Besonderen zum Allgemeinen: Die IT-Branche wächst und wächst – worin sehen Sie die Herausforderungen der nächsten Jahre und vermissen Sie manchmal auch “the good old days”?
Die Kunden suchen Erfolg - der Program-/ Projekt-Portfolio Manager ist dabei "Mittel zum Zweck". Statt eines vollständig festen Tagessatzes wird vermehrt ein variabler Anteil gewünscht, mit dem sich der Freiberufler - positiv wie negativ - am Erfolg beteiligt. Die Klauseln in den ersten mit mir geschlossenen Verträgen waren vielfach unpräzise und subjektiv. So verwiesen sie beispielsweise auf eine "Zufriedenheit" bestimmter Stakeholder, die nach Programabschluss angefragt wurde. Auch wenn ich den variablen Teil stets erhielt, könnten Stakeholder bei derartigen Klauseln dazu tendieren, den Program Manager nach Abschluss des Programms schlecht zu beurteilen um so Geld zu sparen. Daher habe ich ein Modell entwickelt und zum IPMA Expert Seminar Februar 2014 in Zürich vorgestellt, wie Erfolg anhand objektiver Kennzahlen ermittelt werden und in den variablen Einkommensteil einfließen kann. Dieses Modell biete ich auch gerade dann an, wenn der vom Kunden angebotene Tagessatz gering ist.

Gibt es noch eine interessante Geschichte oder eine Anekdote aus Ihrer freiberuflichen Tätigkeit, die Sie gerne mit uns teilen würden?
Viele Menschen schieben ihren Traum von der Freiberuflichkeit vor sich her. Auch bei mir war mit dem "9/11" Anschlag in den USA ein markantes Ereignis erforderlich, um mein gewohntes Leben zu verändern. Aus vielen Gesprächen mit anderen Freiberuflern möchte ich diesen Menschen gerne mitteilen, dass es regelmäßig nur eines gibt, was Sie nach dem Schritt in die Freiberuflichkeit bedauern werden: Dass sie diesen Schritt nicht bereits viel früher gewagt haben.

Vielen Dank für das Interview!

freelancermap-Profil von Joerg Roedle

Webseite von Joerg Roedle






 
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