Freelancer im Interview: Chris Lüders

21.11.2017

Ursprünglich mit einer Ausbildung zum Grafikdesigner ausgestattet, formte sich das freelancermap-Mitglied Chris Lüders zum Spezialisten für User Experience- und User Interface Design (UX/UI). In unserem Interview berichtet der Digital Designer ausführlich über das Zusammenspiel von Projekten und Kunden.





Kleine Aufwärmrunde - Stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor:
Ich bin Chris Lüders - lebe und arbeite seit 10 Jahren in Berlin, komme aber ursprünglich aus dem 500 Einwohner Dorf “Berlin” in Schleswig-Holstein und bin dort am Potsdamer Platz aufgewachsen. Ich bin verheiratet und bald dreifacher Papa. Seit einigen Jahren, habe ich mich als Freiberufler auf User Experience- und User Interface Design (UX/UI) spezialisiert. Freiberuflich tätig bin ich seit 2012, mit allen Höhen und Tiefen, die das Freelancen bereit hält.

Was sind die Probleme und Aufgaben, bei denen Sie Ihren Kunden helfen? 
Die Kunden haben je nach Größe des Unternehmens und je nach Produkt ganz unterschiedliche Probleme und Aufgaben. Während kleine Tech-Startups eher ganz neue App- und Webdesigns brauchen und noch nicht so richtig wissen, wie sie überhaupt eine gute User Experience (UX) in ihr Produkt bringen können, haben große Konzerne eher Bedarf an einem externen UX-Designer mit einem frischen, unverbrauchten Blick, der ganz neu an die Problematik rangeht, da er noch nicht betriebsblind ist. Wenn das gleiche Team eventuell Jahrelang im eigenen Saft brät, bewegt sich oft gar nichts mehr und da sind frische Ideen von außen sehr heilsam. Ein typischer Projektablauf ist, das ein Kunde bereits ein Produkt hat, das längere Zeit besteht und auch ganz gut funktioniert. Allerdings wurde das Produkt aufgrund verschiedener Erkenntnisse immer weiter mit Features und Optionen angereichert und ist somit immer weiter gewachsen und dadurch komplizierter geworden. Manchmal sind die Webseiten oder Apps mit der Zeit so verworren und kompliziert geworden, dass die User total frustriert sind. Und das ist natürlich keine gute Basis für ein erfolgreiches Produkt. Bei meiner Arbeit dreht sich alles um den User. Denn ein glücklicher User ist ein wertvoller User und bringt meinem Kunden Geld und Erfolg. Also schaue ich mir das Produkt von außen an und möchte am Anfang gar nicht so viele Informationen vom Kunden, sondern will das Produkt erstmal selbst als User erleben. Dann notiere ich die Probleme die ich als User sehe und trage sie an meinen Kunden heran und er teilt mir alle Probleme mit, die ihm bekannt sind. Dann machen wir uns gemeinsam an die Arbeit und lösen die Probleme. Für die Problemlösung gibt es mittlerweile viele verschiedene Frameworks wie zum Beispiel Lean UX, Design Sprints uvm. Aber letztendlich muss man schauen, welche Arbeitsweise zu welchem Kunden passt. Bei der Zusammenarbeit mit meinen Kunden ist mir eine transparente Arbeitsweise besonders wichtig. Ich habe schon oft gehört, dass Kunden erlebt haben, dass Designer in einer Art “Blackbox” arbeiten und die Kunden den Arbeitsprozess des Designers nicht wirklich begleiten und nachvollziehen können. Das heißt, dass der Designer im schlimmsten Falle 1-2 Wochen in eine Richtung arbeitet, dem Kunden dann das Ergebnis vorstellt und dann finden beide heraus, dass der Kunde in eine ganz andere Richtung wollte. Dadurch geht Zeit und Geld verloren und genau das verhindere ich, indem ich meine Kunden die ganze Zeit in meine Prozesse einbinde.

Reden wir über den Start Ihrer Karriere: Was hat für Sie den Ausschlag für das freiberufliche Leben gegeben?
Ursprünglich habe ich eine Ausbildung zum Grafikdesigner gemacht, aber habe nach meinem Abschluss direkt im Webdesign Bereich bei einem Rocket Internet Unternehmen angefangen und war danach bei einem Unternehmen in Festanstellung, das sich auf D-Commerce Portale und Affiliate Marketing spezialisiert hat. Nach einigen Jahren und zum Schluss als Lead Designer, habe ich nach neuen Herausforderungen gesucht und fand die flexible und abwechslungsreiche Arbeitsweise meiner freiberuflichen Designkollegen sehr interessant. Somit habe ich 2012, kurz nach der Geburt meiner ersten Tochter, angefangen, als Freelancer zu arbeiten und konnte mich durch gute Kontakte relativ schnell am Markt etablieren. Die Erfahrungen die ich vorher in der Festanstellung gesammelt habe waren sehr wertvoll, da ich dort viel Wissen über Conversion Optimierung, User-Testings und generell User-Experience-Design sammeln konnte. Meine persönliche und fachliche Entwicklung in den vergangenen Jahren hätte ich vermutlich in einer Festanstellung nie erreichen können, da einem das Leben als Freelancer dazu zwingt, sich stets weiterzubilden um für neue Kunden attraktiv zu sein. Außerdem muss man sich und seine Dienstleistungen immer wieder aufs neue verkaufen. Dadurch überdenkt man regelmäßig seine Positionierung und kann sich relativ schnell an den Markt anpassen. Allerdings muss man als Freelancer auch ganz anders Planen als in einer Festanstellung, aber das macht mir sehr große Freude, auch wenn schon die ein oder andere Träne in den vergangenen 5 Jahren vergossen wurde.

Erhalten Sie Projektanfragen dabei eher von bestehenden Kunden oder suchen Sie aktiv nach spannenden Aufgaben, die Sie besonderes reizen?
Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Zeiten in denen ich von Anfragen nur so überrannt werde. Aber es gab auch schon das ein oder andere Sommerloch, wo ich verzweifelt um Aufträge gebettelt habe. Aber je mehr Erfahrung man als Freiberufler sammelt, desto mehr lernt man die schwierigen Phasen zu überwinden und kann sich ein paar Sicherheitsnetze einrichten. Viele Anfragen kommen von bestehenden Kunden, oder weil ein zufriedener Kunde meine Dienstleistung weiterempfohlen hat. Das ehrt mich dann natürlich besonders. Die proaktive Suche nach neuen Aufträgen war für mich bislang der am wenigsten erfolgreiche Weg, da die großen Unternehmen anscheinend hauptsächlich Recruiter auf die Suche nach Freelancern losschicken, anstatt dass sie Stellenausschreibungen in Jobportale stellen. Die spannendsten Anfragen von neuen Kunden kommen tatsächlich über die Freelanceportale, auf denen die Recruiter unterwegs sind und gute Freiberufler suchen. Da waren schon ein paar sehr nette Projekte für mich dabei.

Natürlich sind wir jetzt gespannt – konnten Sie bei der Projektsuche gute Erfahrungen mit freelancermap machen?
Ja, ich habe durch freelancermap schon interessante Kontakte herstellen können die zu einem Projekt geführt haben. Ich finde das Dashboard im eingeloggten Bereich auf freelancermap sehr angenehm, da man somit immer alles im Blick behält und der Projekt-Agent einen immer auf dem Laufenden hält und somit die Angebote nicht ständig durchforsten muss. Das ist für mich natürlich wichtig, da mir im Alltag einfach die Zeit fehlt immer selbst auf der Seite unterwegs zu sein.

Was machen Sie, wenn Sie nicht in Ihr Spezialgebiet vertieft sind? Welche Themen innerhalb, aber auch außerhalb der IT-Branche interessieren Sie?
Natürlich verbringe ich die meiste Zeit außerhalb des Büros mit meiner Familie. Mit den Kindern am Wochenende in der Bücherei zu sein, oder einen Spaziergang mit Proviant im Wald zu machen ist ein toller Ausgleich zum Berufsalltag in den Berliner Büros. Generell lese ich sehr gern und gehe auch gern mal allein im Berliner Umland auf eine Wanderung.

Nun vom Besonderen zum Allgemeinen: Die IT-Branche wächst und wächst – worin sehen Sie die Herausforderungen der nächsten Jahre und vermissen Sie manchmal auch “the good old days”?
Auffällig ist, dass in den letzten Jahren immer mehr Tools auf den Markt gekommen sind die verhältnismäßig einfach zu benutzen sind. Wo es früher noch reines Hexenwerk für einen Außenstehenden war eine Website in Photoshop zu designen, wagen sich heute viel mehr Menschen an das Thema da zum Beispiel “Sketch” sehr einfach zu benutzen ist. Zudem gibt es viele Baukastenlösungen um ohne Vorkenntnisse eine Website oder App zusammenzubasteln. Allerdings sind mir dadurch keine Kunden verloren gegangen, da meine Kunden ganz andere Ansprüche haben und User Experience Design ein ganz anderer Prozess ist, als Webseiten zusammenzuklicken. Im User Experience Bereich sind auch viele neue Tools erschienen, die uns UX-Designern viele Schritte erleichtern. Es ist z.B. heute einfacher denn je, einen Prototypen zu bauen ohne einen Programmierer nerven zu müssen, und dafür bin ich sehr dankbar. Mit Blick in die Zukunft wird sicherlich das Thema VR (Virtual Reality) sehr interessant, da das ganze noch in den Kinderschuhen steckt und noch keine Best Practice besteht. Wie eine gute UX in einem VR Interface aussieht, muss noch herausgefunden werden. Ich bin gespannt, wie sich diese Technik entwickelt. Auch die Themen Deep Learning und die generelle Automatisierung sind sehr spannend und werden noch viel verändern. Aber ich schaue eher gespannt als besorgt in die Zukunft der IT Branche.

Gibt es noch eine interessante Geschichte oder eine Anekdote aus Ihrer freiberuflichen Tätigkeit, die Sie gerne mit uns teilen würden?
Ich möchte gerne einen Tipp an angehende oder frische Freelancer loswerden. Es scheint vielleicht offensichtlich, aber es ist die wichtigste Lehre, die ich aus den vergangenen 5 Jahren Freiberuflichkeit gezogen habe: Man darf niemals die Kundenakquise schleifen lassen! Auch wenn es eine längere Zeit gut läuft muss man immer das Ende des aktuellen Projektes im Auge behalten und sich rechtzeitig um den nächsten Job kümmern. Man weiß nie, ob man nicht plötzlich in einem Auftragsloch landet und dann der Lohn der vergangenen Wochen und Monate sehr schnell verpufft. Eventuell kommt auch mal für zwei Monate kein Geld rein. 
Also, immer einen Geldpuffer für ruhige Zeiten anlegen und sich rechtzeitig um den nächsten Job kümmern. 


Vielen Dank für das Interview!

freelancermap-Profil von Chris Lüders

Webseite von Chris Lüders





 
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