Freelancer im Interview: Aaron Siller

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Als Experte im Bereich der Microsoft Cloud Technologien gewährt das freelancermap-Mitglied Aaron Siller in diesem Interview einen Einblick in seine Arbeit, spricht über die Vorzüge des Freelancer-Daseins und gibt wertvolle Tipps bezüglich Anfangszeit und Akquise.


  1. Persönliches
  2. Anfangszeit als Freelancer
  3. Persönlichkeitsentwicklung
  4. Aktuelle Situation & Zukunft

„Durch meine Selbstständigkeit hat sich der eigene Horizont nochmal enorm erweitert. Als Angestellter ist man zumeist für einen bestimmten Bereich zuständig. In diesem Bereich wird man dann auch bestimmt gut sein, jedoch bleiben viele andere Themen im Berufsleben unberührt.“

Persönliches

Kleine Aufwärmrunde – Stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor:

Mein Name ist Aaron Siller und ich komme aus der Städteregion Aachen, somit ganz im Westen von NRW. Meine freiberufliche Tätigkeit startete ich zunächst nebenberuflich im Jahre 2014, um sie ab 2017 dann hauptberuflich durchzuführen. Meine Kernkompetenz lag immer auf den Microsoft Cloud Technologien, hier primär mit dem Fokus auf Microsoft Office 365, Intune und Azure.

Was sind die Probleme und Aufgaben, bei denen Sie Ihren Kunden helfen?

Typische Praxisfälle sind Unternehmen, die Ihre aktuelle IT-Infrastruktur um die Microsoft 365 Welt erweitern möchten. Dabei betreue ich den Kunden bei der Auswahl der richtigen Lizenzierung, über die erforderlichen Schritte zur Erweiterung oder auch Ablösung einer bestehenden IT-Infrastruktur bis hin zum Aufbau von Webinaren und Workshops zur modernen Arbeit mit den aktuellen Office 365 Tools. Natürlich bin ich dabei nicht nur als reiner Berater unterwegs, sondern kann dies auch technisch Umsetzen.

Seit etwas über einem Jahr bemerke ich auch den Anstieg an Projekten zum Thema Mobile Device Management, somit der Endgeräteverwaltung von Android, iOS und Windows mit Microsoft Intune. Auch die Absicherung von Dokumenten und Unternehmensinformationen mit der Azure Information Protection hat an Bedeutung gewonnen.

Anfangszeit als Freelancer

Sie sind jetzt seit circa drei Jahren selbstständig, womit ihr Start ins freiberufliche Leben noch nicht allzu lange zurückliegt – Was hat für Sie den Ausschlag für das Freelancer-Dasein gegeben?

Gedanklich wollte ich schon immer Freiberufler sein. Besonders der Reiz möglichst viel Erfahrung zu sammeln und dabei auch viele unterschiedliche Unternehmenskulturen und Menschen kennenzulernen treibt mich bis heute an. Als Freiberufler erhält man die Chance in äußerst spannenden Projekten tätig sein zu dürfen und dabei das eigene Skill-Set nochmal enorm zu erweitern. Auch ein Ausbau des eigenen Netzwerkes um sehr wertvolle und interessante Kontakte bietet sich während dem Leben als Freiberufler. Genauso, wie es sich dann auch ermöglicht unpassende Projekte abzulehnen und eben doch für sich selbst entscheiden zu dürfen.

Ich habe mir selbst damals ein Datum gesetzt, an dem ich dann hauptberuflich von meiner freiberuflichen Tätigkeit leben möchte. Natürlich war dies in erster Linie auch ein (Gedanken-)Kampf mit sich selbst und ein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Ziele. Ab diesem Tag sollte es dann aber kein Zurück mehr geben.

Welchen Tipp würden Sie Ihrem drei Jahre jüngeren Freelancer-Ich für den Start geben? 

Ich hätte vor dem Start nicht so lange mit mir selbst ausdiskutieren müssen, ob ich den letzten Schritt in die Selbstständigkeit gehen soll oder nicht. Rückwirkend hätte ich das Wagnis noch früher eingehen können.

Zu Beginn hat man auch zu Projekten und Stundensätzen Ja gesagt, die einen selbst nur mittelmäßig zufrieden stellen. Heute würde ich meinem jüngeren Ich den Tipp geben, sich nicht zu sehr im Preis drücken zu lassen, sondern sich seiner selbst bewusst zu sein und auch beim gesetzten Stundensatz zu bleiben. Auch ist es nicht immer erforderlich den Einsatz vor Ort zu bestreiten, da sich viele Aufgaben genauso gut remote erledigen lassen. Dies erachte ich als Besonders wichtig für das eigene Gleichgewicht zwischen Arbeit und Beruf.

Sie möchten als Freelancer durchstarten?

Haben Ihre Familie und Ihre Freunde zu dem Schritt ermutigt, sich selbstständig zu machen oder gab es auch kritische Stimmen aus Ihrem Bekanntenkreis?

Das Feedback war bunt gemischt:

Die eine Hälfte hatte mir davon abgeraten und die klassischen Antworten gegeben, wie z.B.: „Das ist viel zu risikoreich!“ oder „Nein, dann hast Du gar keine Freizeit mehr!“. Auf der anderen Seite gab es aber auch die Freunde und Bekannten, die selbst seit Jahren selbstständig sind und einem Mut gemacht haben. Dies waren und sind Solo-Selbstständige oder Inhaber von Unternehmen mit mehreren Dutzend Mitarbeitern.

Heute würde ich sagen, dass gerade die Mutmacher-Gruppe wie eine Art Mentor für mich waren.

Ich kann nur empfehlen immer zu prüfen, wer einem da Feedback gibt: Ist es eine Person, die selbst in der Vergangenheit den von mir geplanten Weg gegangen ist?

Oder beruhen die Antworten nur auf gewissen Weltbildern und Vorstellungen, ohne dabei wirklich aus der Praxis sprechen zu können? Dies hatte mir auch nochmal geholfen, mich richtig zu entscheiden.

Persönlichkeitsentwicklung und Arbeit als Freelancer

Gibt es bemerkenswerte Dinge, die Sie gelernt haben, seit Sie sich selbstständig gemacht haben?

Durch meine Selbstständigkeit hat sich der eigene Horizont nochmal enorm erweitert. Als Angestellter ist man zumeist für einen bestimmten Bereich zuständig. In diesem Bereich wird man dann auch bestimmt gut sein, jedoch bleiben viele andere Themen im Berufsleben unberührt.

Dies hat in meinem Fall zu einer erhöhten Disziplin geführt. Ich habe weniger Probleme damit, auch am späten Abend oder frühen Morgen zu arbeiten (wobei mir der Morgen lieber ist 😉). Mein persönliches Zeitmanagement ist besser geworden: Habe ich mich vor meiner Selbstständigkeit schnell ablenken lassen und meine Zeit mit weniger wichtigem verschwendet, so kann ich heute einen viel größeren Fokus aufweisen. Die Fokussierung hilft mir dann die wichtigen und dringenden Aufgaben zuerst zu erledigen und diese entsprechend zu priorisieren. Empfehlen kann ich hier das Pareto-Prinzip – dies kann einem Helfen, nicht zu viel Zeit mit sinnlosen Sachen zu verschwenden.

Das Pareto-Prinzip stellt Perfektion in Frage. Nach diesem Prinzip werden bereits nach 20% aufgewendeter Zeit 80% des Ergebnisses erreicht. Für die restlichen 20% des Ergebnisses sind wiederum 80% Zeit nötig. Damit gelten 100%, also der Zustand der Perfektion, als „unwirtschaftlich“ und „Zeitverschwendung“.

Das im Interview erwähnte Pareto-Prinzip graphisch erklärt.

Welchen Aspekt des Freelancer-Daseins empfinden Sie als größte Herausforderung?

Ich denke der Start stellt eine gewisse Herausforderung dar. Man muss erstmal für sich selbst herausfinden, ob dies wirklich der richtige Weg ist. Wie bei vielen Aspekten im Leben ist auch die Tätigkeit als Freiberufler nicht nur positiv. Wenn dies der erste Kontakt mit der Selbstständigkeit ist, entsteht auch eine gewisse Angst vor dem Unbekannten, aber dies ist menschlich. Diese Angst darf nicht zu groß sein, um dann auch tätig zu werden. Bleibt man nämlich dann stehen, staut sich Frust in einem auf.

Hat man den Schritt gewagt und ist bereits eine Zeit lang als Freiberufler unterwegs, ist denke ich die größte Herausforderung eine gute Work-Life-Balance zu behalten.

Es finden sich viele großartige Projekte für einen, die aber auch entsprechend zeitintensiv sein können. Damit da die eigene Familie und der Freundeskreis nicht drunter leiden ist es wichtig, sich immer wieder einzuordnen und ein ausgewogenes Bild zu behalten.

Akquise ist unter den meisten Freelancern die unbeliebteste Aufgabe. Wie betreiben Sie Akquise? Haben Sie einen Tipp für Ihre Kollegen?

Meine Akquise betreibe ich über Projektbörsen wie freelancermap. Weiterhin bin ich in den großen sozialen Portalen wie Linkedin und Xing unterwegs und betreibe eine eigene Website.

Es ist wichtig, das Profil aktuell zu halten und die neuesten Projekte, Zertifizierungen und Skills einzupflegen. Es ist natürlich schade für einen Vermittler, wenn dieser sich mit einem spannenden Projekt meldet, die Verfügbarkeit allerdings nicht korrekt eingetragen ist.

Als Tipp kann ich auch noch mitgeben, den Vermittler wirklich als Partner zu sehen und mit diesem offen über alles zu sprechen: Tätigkeit, Stundensatz, Einsatzdauer vor Ort, etc. Am Ende haben beide Seiten nur gewonnen, wenn man offen und ehrlich miteinander spricht.

Natürlich sind wir jetzt gespannt – Konnten Sie bei der Projektsuche gute Erfahrungen mit freelancermap machen?

Definitiv! freelancermap ist eine äußerst gute Projektbörse.
Aktuell bin ich über dieses Portal in zwei Office 365 Projekten, die genau meinen Vorstellungen entsprechen und in denen ich mich sehr wohl fühle.

Aktuelle Situation und Blick in die Zukunft

Wie hat sich die aktuell grassierende Corona-Krise auf ihre Arbeit ausgewirkt? 

Bisher konnten alle Projekte normal weitergeführt werden. Lediglich der Remote-Anteil wurde bei einem Projekt aktuell auf 100% gesetzt. Dies wird sich nach der Corona-Zeit bestimmt wieder senken, jedoch konnte ich ansonsten keine weiteren Veränderungen feststellen.

Natürlich ist dies nicht zwingend die Regel – so habe ich auch IT-Freiberufler Kollegen, bei denen das Projekt gestoppt wurde oder aber eine Zwangspause eingesetzt ist.

Wie sich die Corona-Krise auf die Situation der Freelancer in Deutschland allgemein auswirkt, erfahren Sie in den Ergebnissen unserer Corona-Umfrage.

Sie als Microsoft Experte – Welche der Anwendungen wird von Unternehmen heute am meisten unterschätzt? Welcher Anwendung sprechen Sie für die Zukunft (weiterhin) großes Potential zu?

Persönlich bin ich ein großer Fan von Power Automate. Mit diesem Tool bietet Microsoft Unternehmen und Mitarbeitern innerhalb der Office 365 Welt die Möglichkeit wiederkehrende Aufgaben zu automatisieren.

So können die Anhänge von eingehenden E-Mails automatisch in einem bestimmten Verzeichnis abgelegt werden. Auch können Workflows digitalisiert werden, die normalerweise einen hohen manuellen Aufwand haben. Dies können Aufgaben sein, die für gewöhnlich in wenigen Sekunden erledigt sind, jedoch in der Menge mehrere Stunden bis hin zu Tagen im Jahr an Zeit aufbrauchen. Ich denke hier gibt es noch viele Unternehmen, die das wirklich große Potenzial nicht ausnutzen.  

Weiterhin sehe ich eine tolle Zukunft für Microsoft Teams. Als Nachfolger für Skype for Business und als die zentrale Plattform der Zusammenarbeit bringt Microsoft viel Kraft und Geld ein, um dieses Tool um weitere Funktionalitäten auszubauen. Microsoft Teams ist jetzt schon sehr gut und es wird noch weiterwachsen!

Vielen Dank für das Interview!

Erfahren Sie mehr von Aaron Siller auf seinem freelancermap-Profil oder seiner Website.

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