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Infineon macht das Handy aus

31.08.2010

Infineon macht das Handy ausEs ist ein spektakulärer Milliarden-Deal. Der Halbleiterkonzern Infineon verkauft seine Handychipsparte an den US-Branchenprimus Intel. 1,4 Milliarden Dollar spült das Geschäft in die Kassen des Münchner Dax-Konzerns. Mit der Transaktion trennt sich das Unternehmen von einer Sparte, die lange als Sorgenkind galt.

Es ist ein spektakulärer Milliarden-Deal. Der Halbleiterkonzern Infineon verkauft seine Handychipsparte an den US-Branchenprimus Intel. 1,4 Milliarden Dollar spült das Geschäft in die Kassen des Münchner Dax-Konzerns. Mit der Transaktion trennt sich das Unternehmen von einer Sparte, die lange als Sorgenkind galt. Mittlerweile laufen die Geschäfte der Sparte Wireless Solutions (WLS) allerdings prächtig, im vergangenen Geschäftsjahr 2008/2009 steuerte WLS fast ein Drittel zum Konzernumsatz von rund 3,03 Milliarden Euro bei. Auch die Aussichten sind wegen des boomenden Markts für Smartphones gut.

Warum also gibt Vorstandschef Peter Bauer die Sparte her? «Der Verkauf von WLS ist eine strategische Entscheidung, um den Wert von Infineon zu steigern», sagt Bauer. Dahinter verbirgt sich eine einfache Wahrheit. Die Sparte macht zwar kräftig Umsatz, unter dem Strich verdient Infineon aber zu wenig Geld mit den Handychips. Dazu ist das Geschäft stark vom Konsum abhängig, entwickelt sich schnell und würde in den kommenden Jahren hohe Investitionen verlangen, um mit der Sparte im extrem harten Wettbewerb bestehen zu können. «Das Timing war gut», sagt Commerzbank-Analyst Thomas Becker.

In den vergangenen Monaten hatte der Konzern nach einem langen Jammertal angesichts der weltweit kräftig steigenden Chipnachfrage endlich gute Nachrichten verkünden können. Dreimal schraubte Bauer die Prognose für dieses Jahr nach oben. Zum dritten Mal nach der Gründung 1999 wird Infineon für das am 30. September ablaufende Geschäftsjahr 2009/2010 einen Gewinn auf Jahresbasis ausweisen. Der Handy-Deal soll bis März abgeschlossen werden. Die weltweit rund 3400 Mitarbeiter, 1600 davon in Deutschland, sollen an Bord bleiben. Auch der Chef, Infineon-Vorstand Hermann Eul wird wechseln.

Während Infineon mit der Sparte nahezu ein Drittel seines Umsatzes hergibt, ist der Kauf für Intel nur ein Geschäft mittlerer Größe, aber strategisch äußerst bedeutsam. Erst vor wenigen Tagen hatte der Chip-Gigant rund 7,7 Milliarden Dollar für den Antiviren-Spezialisten McAfee auf den Tisch gelegt, nun folgt die Infineon-Sparte. Der Konzern drängt mit Macht vor allem ins mobile Internet, denn so dick die Manager aus Santa Clara im Geschäft mit Computerprozessoren sind, so schmal ist der Anteil bei den kleinen und kräftig boomenden Smartphones. Mit der Übernahme von WLS kommt Intel seinem Ziel einen Riesenschritt näher, auf diesem Markt eine Hausnummer zu werden.

Mit der Technik der Münchner will Intel vor allem das Geschäft mit mobilen Geräten wie Laptops und Netbooks ausbauen. Die Bestandskunden von Infineon übernimmt Intel gleich mit, angeblich damit auch Apple. Dorthin liefert Infineon laut Branchenkreisen Bauteile für das iPhone. Technisch öffnet der Deal Intel den Markt zu den europäischen Standards. Bisher hatte Intel bei der mobilen Kommunikation auf Technologien wie Wifi und WiMax gesetzt. WiMax eignet sich für die Sprach- und Datenübermittlung über große Entfernungen. Die Technik wird vorwiegend in den USA, Indien oder Afrika genutzt, in Europa hatte sie sich kaum durchgesetzt.

Hierzulande setzten die Mobilfunkkonzerne dagegen auf die auf UMTS aufbauende Technologie LTE (Long Term Evolution). Die Bauteile von Infineon sind auf diese Technologie ausgelegt. «Wir wollen künftig die gesamte Bandbreite abdecken, um Geräte mobil mit dem Internet zu verbinden», sagt Intel-Sprecher Martin Strobel. Mit der Übernahme will sich Intel nach eigenen Angaben auch Know-how erwerben, um Plattformen mit niedrigem Energiebedarf zu entwickeln. Intels Prozessoren (CPU) waren bislang für den mobilen Einsatz etwa in Smartphones viel zu stromhungrig. Am Ende könnte Bauer also recht behalten: «Alle Seiten profitieren stark von dieser Transaktion».

Quelle: dpa






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